Zur Sache, Schätzchen

Wenn du Goldzähne siehst, weißt du: Der Typ hat was dabei“, sagt der Rapper Just-Ice im Dokumentarfilm „Grillz“. So werden die komplett vergoldeten Zahnleisten in der Szene genannt. „Keiner läuft mit einem Mund voll Gold zwischen hungrigen Ghettobewohnern rum, wenn er keine Pistole dabei hat.“ Gold ist nicht nur bei Gangstern das Metall der Macht. Seit Jahrtausenden zeigt es an, wer reich an Geld und Einfluss ist. Weil es so wertvoll ist, wird es nicht nur unter gefährlichen Bedingungen aus dem Boden geholt, sondern auch immer wieder eingeschmolzen.

 

„Diese 24-Karat-Blattgold-Kapseln werden deine innersten Teile in Goldkammern verwandeln.“ So beschreiben die Designer Tobias Wong und Ju$t Another Rich Kid (Ken Courtney) eine Reihe von Luxusobjekten für jene, die wirklich schon alles haben. Neben goldenen Playboy-Cocktailstäben und goldenen Stiftkappen hat der Schnösel-Webshop Citizen: Citizen die Goldpillen in sein Sortiment aufgenommen. Leiderleider sind sie schon ausverkauft.

www.citizen-citizen.com

 

Um Gold aus der Erde auszuwaschen, werden giftige Chemikalien wie Quecksilber und Natriumzyanid verwendet. Sie vergiften nicht nur den Körper der Arbeiter, sondern auch Seen, Flüsse, Trinkwasser. Einige erste Initiativen setzen sich für einen ökologischen und fairen Abbau des Edelmetalls ein:

1. Die Earthbeat Foundation   möchte die Arbeit in den Minen erträglicher machen. Mithilfe von Spenden hat sie es bereits geschafft, eine Goldminen-Gemeinschaft in Uganda mit Sicherheitsausrüstung, Wasser­filtern und sogar Ziegen zu versorgen.
www.earthbeatfoundation.org

2. Das Gütesiegel „Fairmined“
zertifiziert verantwortungs­vollen, ökologischen, gemein­schaftlichen, lokalen Kleinbergbau. Es verbürgt sich dafür, dass das Gold zu 100Prozent zurückverfolgt werden kann.
www.fairmined.org

3. Der Goldschmied Jan Spille   verwendet nach eigener Aussage in den Produkten so viel wie möglich fair gehandeltes oder recyceltes Gold. Er beziehe sein Gold direkt aus Kooperativen in Südamerika, die nicht mit Chemikalien arbeiten, sondern mit Waschschüsseln.
www.janspille.de

 

Krematorien dürfen das Zahngold, das nach der Einäscherung von Toten zurückbleibt, behalten und gegebenenfalls verwerten. Das entschied im Jahr 2014 das Bundesarbeitsgericht, nachdem ­ein Hamburger Friedhofsmitarbeiter jahrelang die Urnen geplündert hatte. Die meisten Krematorien spenden die Erlöse.

Lexikon

Ka|ra|ten, das
(über den Reinheitsgrad von Gold spekulieren)

Zya|nid|io|tie, die
(Gold mit der hochgiftigen Zyanidlauge aus dem Gestein lösen)

Gold|kin|der, die
(Kinderarbeiter in Goldminen von Burkina Faso, Kongo oder den Philippinen)

 

Zum Dahinschmelzen

Gold lässt sich auch zuhause schmelzen. Obwohl es einfach aussieht, ist die Prozedur aber eine äußerst heiße Angelegenheit, bei der man unbedingt einen feuersicheren Ort mit Werkbank, Sicherheitsbrille, Gesichtsschutz, feuerfeste Handschuhe und Schürze braucht.

  1. Kartoffel halbieren und eine Mulde aushöhlen.
  2. Gold hineinlegen und eine Prise des Schmelzzusatzes Borax hinein­streuen, damit das Gold auch bei niedrigen Temperaturen schmilzt.
  3. Kartoffel auf feuerfeste ­Unterlage stellen und Gold langsam mit Propan­gasbrenner erhitzen.
  4. Geschmolzenes Gold in gewünschte Form gießen und aushärten lassen.

https://de.wikihow.com/Gold-schmelzen

 

Griff ins Klo

In den Klärwerken der Städte landen bemerkenswert viele Goldreste. Aus abgeriebenem Zahngold oder in den Abfluss gefallenen Schmuckteilen haben die Schweizer Schlackensortieranlagen im Jahr 2017 43 Kilogramm Gold gewonnen. Das entspricht etwa 1,3 Millionen Euro.

 

 

FOTO Baerbel Schmidt/Getty Images | ILLUSTRATIONEN Tidian Camara

Schlagworte des Artikels
, , ,