Was bleibt

Vier Jahre lang sammelte der Fotograf Antoine Repessé in seiner Wohnung Müll, um ihn dann für sein Projekt „#365 Unpacked“ zu fotografieren. Was aus den Fenstern des Hauses quillt, stellt nur 30 Prozent des gesammelten Mülls dar.

 

Aus der Wohnung in die Mülltonnen und dann in den Mülllaster – so schnell verschwinden ­die Reste unseres Lebens. Und was wir nicht mehr mit den Augen sehen, verschwindet aus unserem Bewusstsein. „Ich wollte das ändern“, sagt der Fotograf Antoine Repessé. „Uns wird oft erzählt, dass wir zu viel Müll produzieren. Aber ich glaube, dass wir es erst mithilfe von Bildern wirklich verstehen.“

Von 2011 bis 2015 sammelte der Fotograf in seiner Wohnung im nordfran­zösischen Lille verschiedene Sorten von recycelfähigem Müll: Dosen, Plastik- und Glasflaschen, Toilettenpapierrollen und Verpackungen. Er bewahrte nicht nur seinen eigenen Abfall auf. Auch Freunde brachten einiges dazu. In einem Jahr stapelte er beispielsweise 1.400 Milchpackungen – das ist so viel, wie er allein in 55 Jahren gebraucht hätte. „Das Ziel war, damit Bilder zu erschaffen, die schockieren und damit vielleicht auch dazu motivieren, unsere Konsumgewohnheiten zu verändern“, sagt Repessé. Am Ende war seine gesamte Wohnung von dem Projekt „#365 Unpacked“ eingenommen. Etwa 70 Prozent seiner Wohnfläche waren voller Müll. Mit den folgenden Bildern zeigt und kommentiert Repessé, wie es ist, im Müll regelrecht zu ersticken.

 

„Am Ende sah es in der Wohnung wirklich chaotisch aus, aber sie hat nicht gestunken! Ich habe alles ordentlich sauber gemacht. Verpackungen mit Essensresten habe ich nicht aufgehoben.“

 

„Der Müll in meiner Wohnung hat mich zwar gestört, aber das System, in dem wir leben, stört mich mehr. Wir müssen unseren ganzen Lifestyle in Frage stellen: Was wir essen, was wir anziehen, wie wir uns bewegen.“

 

„Wir benehmen uns so, als ob Erdöl eine ewige Ressource wäre. Genauso verwenden wir Plastik­verpackungen weiter, als ob es keine Auswirkung auf unsere Umwelt hätte.“