Vom Willen zur Schönheit

Die Künstlerin Suzanne Jongmans recycelt mit Schaumstofffolie und Plastikhüllen die Pracht der Bilder alter holländischer Meister. Dadurch bekommt das Überflüssige etwas Ewiges.

Transparentes Verpackungsmaterial, das sich wie Seide um den Körper schmiegt. Luftpolsterfolie als rüschenähnliches Accessoire, ein Mandarinennetz als Spitze. So inszeniert die niederländische Bildhauerin und Kostümdesignerin Suzanne Jongmans vermeintliche Abfallmaterialien in ihrer Fotoserie „Mind over Matter“, was sich in etwa mit „Reine Willenssache“ übersetzen lässt. Diesen Willen entdeckte sie zufällig, als ihr bei einer Kostümanprobe der Stoff ausging und sie sich mit der anschmiegsamen Schaumstofffolie behalf.


Praise of Folly

„Die Idee, aus nichts etwas zu machen, verändert unseren Blick auf die Realität“, erklärt sie. „Ein Stück Plastik, auf das Text gedruckt ist und zum Verpacken einer Kaffeemaschine oder eines Fernsehgeräts verwendet wird, kann einem Stück Seide ähneln.“ Zumindest wenn es auf eine völlig andere Weise drapiert wird. Jongmans lässt sich von Malern wie Holbein, Jan van Eyck und Rembrandt inspirieren – den mittelalterlichen Malern, deren detaillierte Pinselstriche sie in ihrer Arbeit nachahmen möchte. „Wenn Sie die alten Meister betrachten, können Sie wirklich die Zeit sehen, die in die Bilder gesteckt wird“, erklärt sie. „Und das passt zu meiner Methode.“

Denn auch Jongmans’ Arbeit ist eine aufwändige Inszenierung des Materials, bei der ihre unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen zusammenfließen: als Kostümbildnerin adaptiert sie Verpackungsmaterialien wie Schaumstoff und Schaumgummi, um historische Kostüme des 15. und 16. Jahrhunderts herzustellen. Als Fotografin ebnet sie die dreidimensionalen Kunstwerke wieder in eine Fläche ein. Und als Beobachterin des Zeitgeschehens zeigt uns Suzanne Jongmans die grassierenden Umweltprobleme durch einen hauchdünnen Renaissance-Schleier aus Kunststoff.


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