PACKET-SOUP – Ausstellung zum Plastikkonsum

Aus unserem Alltag sind Verpackungen und Tüten aus Plastik kaum wegzudenken. Wer einmal genauer hinschaut, stellt schnell fest, dass Plastik ein ständiger Begleiter ist. Aber ist er auch immer nötig? Diese Fragen hat sich Claudia Lamas Cornejo (28) gestellt. Und eine ganze Ausstellung zum Thema konzipiert. Unter dem Namen P A C K E T – S O U P beschäftigen sich Künstler auf unterschiedlichste Weise mit der Umweltverschmutzung durch Plastik und hinterfragen gesellschaftliche Verhaltensweisen. So gibt es akribisch geordnete Setzkästen mit gefunden Plastikteilen von englischen Stränden, Performances und Videoinstallationen, die zeigen, in wie viel Plastik wir täglich schwimmen.

Weltweit kreisen fünf Müllstrudel mit vielen Plastikteilen in den Ozeanen. Sie haben enorme Ausmaße angenommen: Der größte Plastikstrudel im Nordpazifik ist etwa viermal so groß wie Deutschland. Eine Größe, die den bildenden Künstler Jan Kuck (34) abstößt und zugleich fasziniert – und ihn zum Hauptwerk der Ausstellung inspirierte.

SNB: Herr Kuck, in der Ausstellung P A C K E T – S O U P werden Sie einen Pool aufbauen, für Schwimmbadatmosphäre sorgt eine Soundinstallation. Können die Besucher in Ihrem Pool denn auch schwimmen?

Ja, sie können tatsächlich in den Pool steigen und versuchen, ein paar Schwimmbewegungen zu machen. Es wird allerdings nicht ganz so leicht sein, denn gefüllt ist er nicht mit Wasser, sondern mit etwa 6.000 Plastiktüten. In den Tüten ist Verpackungsmaterial aus Plastik und sie stellen schon eine ziemliche Masse dar. Ich möchte damit deutlich machen, wie viel Plastik in den Meeren schwimmt und dies zu einem Erlebnis zum Anfassen machen.

SNB: Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Ich habe von den Plastikstrudeln in den Ozeanen gehört und mich ließ das nicht mehr los. Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, desto mehr ist mir aufgefallen, wie viel Plastik uns wirklich umgibt. Dies möchte ich mit meinem künstlerischen Blick erfahrbar machen. Die Tüten im Pool sind eine Metapher für das viele Plastik im Meer und um uns herum. Ich finde, dass Kunst sehr gut funktionieren kann, um den Blick auf die Alltäglichkeit zu verändern und vielleicht auch Dinge ein wenig bewusster zu machen, die uns sonst schnell entgehen. Während meiner Arbeit an der Installation habe ich angefangen, mein eigenes Verhalten zu beobachten. Ich achte heute mehr darauf, wie ich konsumiere und einkaufe.

SNB: Was hat sich da konkret verändert?

Ich versuche zum Beispiel kein Wasser mehr aus Plastikflaschen zu trinken. Ich nehme viel öfter eine Tasche aus Stoff und packe Obst nicht mehr in Tüten. Ich denke, dass eigentlich jeder einzelne ziemlich viel tun kann, um den Plastikkonsum zu verringern.

SNB: Woher haben Sie denn die Plastiktüten, mit denen Sie den Pool füllen?

Ich habe vielen Leuten von der Aktion erzählt und wir haben sie privat gesammelt, also jeder hat alle sauberen Tüten, die er zuhause hatte, zu mir gebracht. Weitere Tüten haben wir von der Industrie erhalten, sie haben uns ihre Mängelexemplare gespendet, die sie nicht verwenden konnten.

SNB: Was machen Sie nach der Aktion mit den vielen Tüten?

Es gibt einige Projekte in Berlin, an die wir das Material weitergeben können, sie verwenden es noch einmal. Und was übrig bleibt, geben wir ins Recycling, dabei ist uns die Initiative Trenntstadt Berlin, die unser Vorhaben gefördert hat, behilflich.

SNB: Frau Lamas Cornejo, Sie sind die Kuratorin der Ausstellung. Was möchten Sie erreichen?

Ich wünsche mir natürlich Aufmerksamkeit für die Ausstellung und die teilnehmenden Künstler, die sich auf verschiedene Arten mit Umweltthemen beschäftigen. Mein Ziel ist, durch die vielfältige Herangehensweise die Besucher auf mehreren Ebenen anzusprechen. Wenn sie einen kleinen Anstoß zum bewussten Konsum und zu einem Beobachten ihres eigenen Verhaltens mit nach Hause nehmen, kann sich viel verändern. Klar kann man sagen, Kunst ist Kunst und muss gar nichts, aber ich bin überzeugt, dass Kunst ganz viel kann, nämlich Türen öffnen und Dinge bewusster machen.

P A C K E T – S O U P

Ausstellung zum Plastikkonsum in der SAVVY Contemporary Galerie
vom 05.05. bis 02.06.2012

Ort: SAVVY Contemporary
Richardstraße 43/44, 12055 Berlin

Vernissage: 05.05.2011, 19.00 Uhr

Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag 16.00-20.00 Uhr

Künstler: Jan Kuck (DE), Werner Boote (AT), Steve McPherson (UK), Pamela Longobardi (US), Nathalie Fari (BR), Susanne Richter (DE), Yingmei Duan (CH), Cai Qing (CH)

www.packet-soup.com

Gefördert wird das Projekt mit Mitteln aus dem Förderfonds Trenntstadt Berlin. Anträge auf Projektförderung nimmt die Stiftung Naturschutz entgegen.

Fotos: Nadine Sophie Eckert

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