Mein Müll und ich – die Sache mit den dicksten Kartoffeln

Nur etwa die Hälfte aller produzierten Lebensmittel wird auch gegessen. Über eine Milliarde Tonnen landet weltweit jedes Jahr im Müll. Das muss nicht sein.

Wo werden Lebensmittel verschwendet?
An allen Stellen der Produktionskette eines Lebensmittels kommt es zu Verlusten. Wenn wir uns mal die Kartoffeln angucken: Da bleiben beispielsweise all jene Knollen auf dem Acker liegen, die für den Handel äußerlich nicht schön genug sind. Ist die Kartoffel nicht eiförmig makellos, endet sie als billige Industriestärke. Auch beim maschinellen Waschen gehen Kartoffeln kaputt oder ihre Schutzschicht wird zerstört. Werden sie in Netzen verkauft oder liegen sie im Supermarkt in der Auslage, beginnen sie vorzeitig zu keimen und werden weggeschmissen. In Restaurants und Imbissen sollen die Buffets immer gut bestückt sein, weswegen Unmengen an Pommes, Brei oder Klößen weggeschmissen werden. Und wie oft der Verbraucher seinen Teller mit dicken Kartoffeln nicht aufisst, weiß jeder selbst.

Können wir etwas dagegen tun?
Ja, indem jeder Einzelne genauer überlegt, wie viel er wirklich braucht. Gehen Sie mit einer Einkaufsliste in den Laden. Und lagern Sie Ihre Einkäufe richtig, so dass sie länger halten. Kartoffelknollen in einem dunklen Sack in den Keller, die Reste vom Mittagessen können eingefroren oder zunächst im Kühlschrank auf der untersten Ebene über dem Gemüsefach aufbewahrt werden, wo es am kältesten ist. Am nächsten Tag lassen sich Reste mit neuer Kreativität verwandeln. Ein Mindesthaltbarkeitsdatum auf Produkten ist übrigens nur ein Richtwert und bedeutet nicht, dass bei Stempelablauf das Produkt verdorben ist. Prüfen Sie es mit Ihren Sinnen. Es kann manchmal noch Wochen später verzehrt werden.

Wie kann ich mich gegen Lebensmittel­verschwendung engagieren?
Seit einigen Jahren gibt es viele Initiativen, die sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzen. Über die Plattform „foodsharing“ kann man beispielsweise Essen weiter­reichen, für das man selbst keine Verwendung hat. Mit der App „Too Good to Go“ kann man sich informieren, welche Restaurants, Bäcker und Hotels ihre Gerichte gegen Ladenschluss billiger abgeben. Und das Landwirtschafts­ministerium hilft mit seiner Kampagne „Zu gut für die Tonne“ – die ebenfalls eine App enthält –, wie man die Lebensmittelverschwendung eindämmt.

 

Nachgefragt bei:

Franziska VoßFranziska Voß
BSR-Abfallberaterin
Abfallberatung@BSR.de

 

Franziska Voß ist Expertin für alles, was man loswerden möchte: Sie weiß genau, in welche Tonne welcher Abfall gehört und was danach mit ihm passiert. Ihre Fragen beantwortet sie direkt per E-Mail oder Telefon. Und an dieser Stelle.