Meer der Möglichkeiten

Nur weil Algen dabei helfen können, die größten Probleme der Menschheit zu lösen, heißt das nicht, dass man auch gern in ihnen badet. Die grünen Wasserpflanzen gelten vielen Forschern und Unternehmern als einer der inte­r­essantesten biologisch nachwachsenden Rohstoffe der Zukunft. Wir geben einen kleinen Überblick.

Wenn wir mit gezüchteten Algen den Omega-3-Fettsäuren-Bedarf der Bevölkerung decken, können wir aufhören, die Meere leerzufischen.

Sascha Rohn, Lebensmittelchemiker

Die Europäische Weltraumorganisation ESA sucht nach Lebensmitteln, die für eine mehrjährige Marsmission geeignet sind. Vorräte allein sind zu schwer und benötigen zu viel Platz, weswegen die Astronauten ihr Essen selbst züchten sollen. Die Alge Spirulina platensis scheint sich dafür am besten zu eignen: Sie lässt sich zu Essen verarbeiten, setzt Sauerstoff frei und dient als Futter für Fische an Bord, deren stickstoffhaltige Ausscheidungen wiederum die Algen düngen.

 

Der Biochemiker entdeckte im letzten Jahrhundert etwas, das bis heute die Forscher bewegt: Als Experte für Foto­synthese beschäftigte er sich auch mit den Stoffwechselprozessen der Alge. Dabei fiel ihm auf, dass Grünalgen aufhören Sauerstoff zu produzieren, wenn sie in einer stickstoffreichen Atmosphäre liegen. Stattdessen bilden sie ein ebenfalls sehr wertvolles Element: Wasserstoff. Bis heute greifen Wissenschaftler auf diese Entdeckung zurück, um einen Wasserstoffbioreaktor zu bauen, mit dem man klimaneutral Energie erzeugen kann. Ein Algenzuchtbetrieb in der Größe von Texas könnte genug Wasserstoff produzieren, um den weltweiten Energiebedarf zu decken.

 

Veganes Futter? Wow, Wau!

Algen enthalten viel Eiweiß und eignen sich deswegen auch als veganes Hundefutter. Ein traditionsreicher Hersteller will aus ökolo­gi­schen Gründen weniger tierische Proteine verarbeiten.

www.bio-tierkost.de

Al|ge|mein|heit, die (völlig von Algen zugewachsener öffentlicher Badesee)

Tang|o, der (sich mit dem Fuß in meterlangen Makroalgen verheddern)

Spi|ru|lenz, die (Hype des Superfoods Spirulina)

Wenn etwas grün und dünnflüssig ist ​und noch dazu Chlorella heißt, denkt ​man nicht sofort daran, es sich ins Gesicht zu schmieren. Sollte man aber. Antibakte­rielle Substanzen schützen Algen im Meerwasser – und als Kosmetik auch die unreine und alternde Menschenhaut.

 

Das brauchen Sie:

  • 2 EL Algenpulver
  • 2 Tropfen Rosenöl
  • 8 EL Wasser

Und so geht’s:

  • Die Zutaten langsam miteinander verrühren.
  • Auf das Gesicht auf­tragen und 20 Minuten einwirken lassen.
  • Anschließend mit lauwarmem Wasser abspülen.

Die Pig­mente in Algen können eine umwelt- freundliche Alternative für Tinte sein, da sie bio­­­-
logisch besser abbaubar sind. Die Entwickler des ersten Algenstiftes haben aber eine Entdeckung
gemacht: Die Schrift erscheint wie Zaubertinte erst nach einigen Tagen.

www.livingink.co

Künstliche Verschlappung

Algen können zu Biokunststoffen synthetisiert und daraus Verpackungen, Schaumstoff oder Badeschlappen hergestellt werden. Dadurch müssen weder fossile Rohstoffe verbraucht noch Lebensmittel wie Mais, Raps oder Soja
verwendet werden.

 

Flipflops aus Algen

ILLUSTRATION Tidian Camara

 

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