Kein kalter Kaffee

Nachhaltiges Leben für alle? Klimaschutz im Alltag? So ganz ohne Änderung unseres Lebensstils wird das nicht gehen. Aber auch eine globale Herausforderung kann im Kleinen beginnen. Und zwar schon beim ersten Kaffee des Tages. Seit Beginn der Coffee-to-go-Welle, die am Anfang des Jahrtausends über Deutschland hereinbrach, wird der nämlich oft unterwegs aus dem Pappbecher getrunken. „To go“ heißt aber auch „to waste“, denn täglich landet eine große Flut der Behälter im Müll. Und damit pro Becher 190 Gramm des klimaschädlichen Gases CO2, das bei der Herstellung freigesetzt wird.

Das muss nicht sein, dachte sich die Hochschulinitiative SUSTAIN IT! der Freien Universität Berlin. Bei den von ihr veranstalteten Hochschultagen im Sommer 2012 wies sie mit der Kunstaktion „Art to stay – Reif für die Kaffeeinsel“ auf die vielen Pappbecher hin, mit denen Cappuccino und Latte Macchiato über den Campus getragen werden. Allein in der Cafeteria und der Mensa in der Silberlaube werden pro Tag 1.000 Pappbecher verbraucht, an den Berliner Unis und Hochschulen sind dies insgesamt drei Millionen im Jahr. 12.000 Becher wurden von den Initiatoren gesammelt, gesäubert und gestapelt und machten die große Menge von Weggeworfenem sichtbar.

„Wichtig ist, gegen das Wegwerfphänomen Handlungsoptionen aufzuzeigen.“

Karola Braun-Wanke | Koordinatorin der Hochschultage SUSTAIN IT!

Seit Juni gibt es nun eine Alternative – den CampusCup. Studenten der Hochschule für Wirtschaft und Technik (HTW) haben einen Porzellanbecher entwickelt, der unter dem Motto „Porzellan statt Pappe“ an der HTW, der FU und der TU für 4 Euro verkauft wird. Der Becher mit Deckel aus Silikon hält den Kaffee länger warm und beeinflusst nicht den Geschmack, wie das bei Pappbehältern oft der Fall ist. Weil er jahrelang verwendet werden kann, fällt an dieser Stelle gar kein Abfall mehr an.

Viele Studenten, die den großen Becherberg an der FU betrachteten, handelten gleich: In drei Tagen wurden 250 CampusCups verkauft. Ludwig Schneider, der im Projekt CampusCup aktiv ist, freut sich über den Erfolg und hofft auf ein neues Bewusstsein für den produzierten Müll. Daran möchte er weiterarbeiten: „In Zukunft soll der CampusCup allen Studenten in Berlin zur Verfügung stehen, und unser Wunsch ist natürlich, dass jeder Erst­semesterstudent einen CampusCup zu Studienbeginn bekommt und ihn lange nutzt.“

Damit Ideen wie der CampusCup umgesetzt werden können, gibt es den Förderfonds der Initiative Trenntstadt Berlin. Er stellt finanzielle Hilfen bereit für kreative Initiativen, die sich für Abfallvermeidung und Recycling einsetzen. Haben auch Sie eine gute Idee für eine saubere Stadt? Bei der Stiftung Naturschutz Berlin können Sie die Förderung beantragen.

FOTO Karola Braun-Wanke (Koordinatorin der Hochschultage SUSTAIN IT!
Freie Universität Berlin | www.fu-berlin.de/sustain-it

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