Ich war einmal…

… ein altes Roggen-Weizen-Mischbrot. Mein Bäckermeister Ralf Dietz hatte mich mit eigenen Händen gebacken und in die Auslage seiner Bäckerei gelegt. Aber am Ende eines langen Tages blieb ich unverkauft. „Was soll ich nur mit dir machen?“, seufzte der Meister. Jeden Tag bliebe ein Zehntel seiner Waren übrig. „Aber ich kann dich morgen nicht nochmal anbieten. Die Kunden wollen nur frischgebackenes Brot.“ Er legte mich in sein Kühlhaus zu vielen anderen Mischbroten. Als er 1.000 Kilogramm zusammenhatte, brachte er uns in die Edel­brennerei und Spirituosen-Manu­faktur Nordik in York – und dort begann eine Verwandlung.

Ich wurde zermahlen, mit Wasser versetzt und eingemaischt. Dabei wurde mir etwas komisch zu Mute, denn bei 60 Grad Celsius verwandelt sich meine Stärke in Zucker. Als süßes Brotsüppchen setzte mir der Brennmeister Arndt Weßel noch Hefe bei und freute sich: „Das funktioniert wie bei der Whisky-Herstellung, nur dass wir statt rohem Getreide dich haben“, sagte er, rieb sich die Hände und ließ mich vier Tage gären.

Danach hatte ich völlig den Geist auf­gegeben und wurde drei Mal durch kupferglänzende Kessel geschickt. Angeblich erinnert mein Destillat an Whisky mit einer feinen Brotnote – was allerdings auch daran liegen kann, dass ich mehrere Monate in ein stark getoastetes Whisky-Fass gesperrt wurde. Als mich meine zwei Meister zufrieden in ihren Gläsern schwenk­ten, wusste ich: Manchmal ist Alter auch ein Qualitätskriterium.

www.baecker-dietz.de
www.nordik-edelbrennerei.de