Ich war einmal…

…ein kleiner Schluck Wasser aus dem Ostchinesischen Meer. Ich schwappte an der Küste der Insel Taiwan entlang bis zur chinesischen Hafenstadt Keelung. Weil es dort viel regnet, ist bestimmt auch ein bisschen Regenwasser in mir drin. Aber auch noch vieles andere: Jeden Tag landen große dreckige Schiffe und große Müllmengen im Hafen. Eine Umweltstudie von 2017, die der Hafenbetreiber in Auftrag gegeben hat, zeigt außerdem eine unübersichtliche Zahl von Abwässern, die ins Wasser hineinlaufen. Kurz gesagt: Ich bin die dreckigste Brühe in ganz China. Irgendwann kamen drei Designstudenten von der National Taiwan University of Arts, schöpften mich in ein Probenglas, nahmen mich mit nach New Taipai City, kippten mich in eine Gussform für Eis am Stiel und froren mich ein. Sie wollten mit mir und 99 anderen Dreckwasser-Lollis zeigen, wie schlimm Bäche, Flüsse und Meere bereits verdreckt sind.

Damit ich in den vielen Ausstellungen in Taiwan nicht wegschmelze, habe ich ein Duplikat aus Kunstharz bekommen. Und knallbunte Verpackungen, die auch von einem veganen Hipster-Wassereis stammen könnten. Da steht drauf, was ich bin: ein armer Schluck.

 

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