„Her mit dem Dreck!“ – Der Zirkus Cabuwazi

Die Erde quillt über vor Müll. Auf Bürger­steigen und im Park wächst Müll wie Un­kraut. Und dazwischen die Puppe Zenne. Ihre kleine Besitzerin Vanessa hat sie inmitten des Chaos verloren. Jetzt steckt sie in einem Mülleimer und wartet auf ihr schreckliches Schicksal: die Müllverbrennungsanlage – wenn sie nicht von einem zauberhaften Wesen aus dem ge­heimnisvollen Land Taborka gerettet wird.

Der Kinderzirkus Cabuwazi spielt seit 1991 regelmäßig Stücke, die im Zauberland Taborka angesiedelt sind. Die von Uli Ames erdachten Geschichten handeln immer von Missständen hier auf unserer Erde, die nach Taborka getragen und dort kindsgerecht von den schrägen Bewohnern analysiert werden. In Taborka sind Gut und Böse nicht so wie auf der Erde, das normale Verständnis von Werten wird in Frage gestellt. Wer eine dieser kunterbunten Vorführungen gesehen hat, in der Akrobaten, Pantomimen-Darsteller und Clowns die Bewohner spielen, versteht, dass das imaginäre Land eine ideale Plattform für Kinder ist, Probleme einmal ganz anderes zu betrachten.

In den vergangenen Jahren tauchte der Kinderzirkus mit 6.000 Berlinern in ein „Wasserreich“ ab. Diesmal schaffen sie ein „Erdreich“ – unterstützt von dem Förderfonds Trenntstadt Berlin der Stiftung Naturschutz Berlin. „Wir haben den emotionalen Zugang zu Kindern gesucht und ihn hier gefunden“, sagt der Umwelt­berater der Berliner Stadtreinigung, Dr. Kersten Erdelbrock. Mit dem Zirkuskonzept könne man den Kindern am besten vermitteln: „Macht es besser als wir Alten! Schafft Kreisläufe!“ Auch dieses und im nächsten Jahr stehen 2,7 Millionen Euro bereit, die der Förderfonds Trenntstadt Berlin an kreative Abfall­projekte aller Art verteilt.

Beim Zirkus Cabuwazi wurde Umweltberater Erdelbrock sogar in den Entstehungsprozess eingebaut. Er erklärte den Machern die komplizierten Vorgänge einer Müllverbrennungsanlage. Aber auch hier bleibt Taborka Unterhaltung und nicht Lehrveranstaltung. Spätestens wenn die sechs rappenden Müllmänner in ihren orangefarbenen Original-BSR-
Kostümen singen: „Her mit dem Dreck, schmeißt ihn nur weg. Haut ihn nur raus, wir heben’s auf!“, tobt das Zelt. Und immer wieder wird der Kontakt zum Publikum gesucht: Fischt der Chef der Müllverbrennungsanlage darin einen noch funktionierenden Stift heraus, so wird er an das Publikum verschenkt, findet er Glas, so will er von den Kindern wissen, wo das besser aufgehoben ist.

Es gibt ein Happy End, doch danach geht es erst richtig los. Dann erarbeiten und verarbeiten die Kinder nämlich in verschiedenen Workshops, was sie gerade erlebt haben. Wichtig ist die körperliche Umsetzung des Themas, und so werden fünfzehn Kinder zu einer artistischen Müllsortiermaschine, andere werden zu Clowns. Am Ende sind alle Teil des Mülltrennens – und haben Spaß dabei.

Ab dem 23. März 2011 laufen wöchentlich Vorstellungen von Taborka Erdreich.