Hat Soja jeschmeckt?

Dürfen wir vorstellen:
„Glycine max“, besser bekannt als Soja. Die japanische Bohne wird geliebt und gehasst, gleichgültig lässt sie niemanden. An sich ist die Pflanze aus der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler harmlos. Langstielige ­Stauden mit weißen Blüten. Aber die Hülsenfrüchte stecken einerseits voller Proteine, enthalten reichlich Ballaststoffe und liefern gut verwertbare Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffe. Andererseits sättigen sie nicht nur, sie verwüsten auch. Das liegt nicht daran, dass immer weniger Menschen Fleisch essen und durch Alternativen wie Soja ersetzen. Vielmehr sorgt der globale Appetit auf Fleisch für den Anbau-Boom. Schließlich wird der Großteil des Sojas als Tierfutter verwendet. Und dafür werden oft riesige Wald­flächen gerodet.


FALSCHER ZWILLING

In die Kritik geraten ist Soja wegen so genannter Isoflavone. Die Pflanzen­stoffe ähneln ­­dem mensch­lichen Hormon Östrogen. ­Sie sind nicht identisch damit, können aber in unserem Körper an die gleichen Hormonrezeptoren andocken. Dort wirken sie entweder wie die weiblichen Geschlechtshormone oder haben einen umgekehrten Effekt, weil sie echte  Östrogene in ihrer Wirkung behindern. Wann uns  das hilft und wann das krankmachen kann? Da rätselt die Forschung noch. Zwei bis fünf Portionen Soja pro Tag gelten aber als verträglich.

 


GESTALTWANDLER

Frische Sojabohnen, die in gesalzenem Wasser gegart und dann mit Meersalz oder Gewürzen bestreut werden. Ohne Schale ein leckeres Fingerfood.
Geronnene Sojamilch, die entwässert und anschließend in Form gepresst wird, eignet sich zum Grillen, Braten oder Frittieren. Nicht zu verwechseln mit Seitan. Der besteht aus Weizeneiweiß.
Der Brühwürfel in gesund. Hier hat Schimmelpilz die Proteine von Sojabohnen und die Stärke von gedämpftem Reis in eine Würzpaste für zum Beispiel Soßen, Suppen verwandelt.
Besteht aus gekochten, geschälten Sojabohnen, die mit einem Schimmelpilz versetzt und fermentiert werden, bis die Masse fest ist. Knusprig anbraten und in Suppen oder auf Salaten verspeisen.

 


HAUSGEMACHTE SOJAMILCH

  1. 1 Tasse getrocknete Sojabohnen über Nacht in Schüssel mit Wasser quellen lassen. Wasser abgießen und weiche Bohnen gut abspülen.
  2. Bohnen mit doppelter Menge frischem Wasser pürieren.
  3. Nudelsieb mit Geschirr­handtuch auslegen und Soja­brei in einen Topf ­abseihen. Rest auspressen und Schaum abschöpfen.
  4. Die Rohmilch aus Soja auf 45 °C erhitzen und unter ständigem Rühren 10 Minuten köcheln lassen. Auf keinen Fall kochen!
  5. Fertige Sojamilch nach Geschmack mit Wasser verdünnen oder süßen.

MAO MOCHTE KEINE SOJASAUCE

 

 

 


Das hat der Chefkoch des chinesischen Kommunistenführers, Cheng Ruming, mal verraten. Mao soll sich vor den Käfern, Wanzen und Würmern geekelt haben, die es damals noch von den Sojafeldern bis in die Gärfässer schafften.

 

 


WELTWEITE SOJA-ANBAUFLÄCHE

Aufgrund der Nachfrage nach Soja ist die Anbaufläche weltweit enorm gewachsen: von 2000 ­­bis 2018 von rund 70 Millionen Hektar auf mehr als 120 Millionen Hektar – ­Deutschland würde da locker dreieinhalb Mal hineinpassen. Die jähr­liche Sojaproduktion verdoppelte sich seitdem auf ­­350 Millionen Tonnen.

 

 

 

 

 


Dreiviertel der weltweiten Sojaernte werden zu Tierfutter verarbeitet. Auch Scharen deutscher Schweine, Hühner und Kühe fressen Import-Soja – und das ist oft ­genmanipuliert. Fleisch, Eier oder ­Milch von Tieren, die mit Schrot aus genveränderten Bohnen gefüttert wurden, müssen nicht gekennzeichnet werden.

 

 


LEXIKON

Soy Boy, der
(Liebhaber von sojabasierten Produkten)

So|ja|li|sa|ti|on, die
(Prozess des Einbauens von Sojaprodukten in die Ernährung)

So|jan|ka, die
(Suppe mit einer Einlage aus gebratenen Tofuwürfeln)


 FOTO / ILLUSTRATION  Tidian Camara