Großeinsatz

Die Initiative „Trenntstadt Berlin“ schafft seit zehn Jahren ein neues Bewusstsein für Abfallvermeidung, -trennung und -recycling. Dafür hat sie auffällige Kampagnen gestartet.

Mit einem kleinen Eisbären im Mammutformat hat alles angefangen: Vor zehn Jahren startete das Gemeinschaftsprojekt „Trenntstadt Berlin“. Heute gehören der Initiative neben der Berliner Stadtreinigung (BSR) ALBA, Bartscherer, Berlin Recycling und die Stiftung Naturschutz Berlin an. Aus 6.401 bunten Mülltonnen setzten viele Helferinnen und Helfer einen Eisbären als Mosaikbild zusammen. Aus der Luft fotografiert, erschien das Bild auf zahlreichen Plakaten der Stadt. Außerdem entstand ein Werbespot für das Kino, um erstmals die Botschaft zu verbreiten: „Abfalltrennung in Berlin spart jährlich 403.000 Tonnen CO₂“ – doch noch mehr ist möglich! Damit die kleinen Eisbären überleben.

In der ersten Kampagne ging es darum, die Berlinerinnen und Berliner zu motivieren, ihre Stadt zur „Trenntstadt“ zu machen. Sie sollten sich bewusst werden, was Abfalltrennung bedeutet, welche Abfallarten es gibt – und wozu das gut ist. Eine Serie von Motiven entstand, in der ein Frosch aus Papier gepuzzelt wurde, ein Baum aus leeren Flaschen entstand und die Silhouette von Berlin aus Verpackungsmüll nachgebildet wurde. Papier, Glas und Verpackungen sinnvoll zu trennen, spart CO₂, weil zur Material- und Wärmegewinnung keine frischen Ressourcen verbraucht werden müssen.

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Für zwei Berliner Institutionen geht es immer um den richtigen Wurf: Die BSR engagiert sich für den Nachwuchs des Handballvereins Füchse Berlin, weil beim Sport junge Menschen in sinnvolle Freizeitbeschäftigungen eingebunden werden – und das „ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Zukunft unserer Stadt“ sei, heißt es. Die Zusammenarbeit ging in der letzten Dekade noch weiter: In den Jahren 2012, 2013 und 2015 wurden gemeinsam drei Kinospots mit den Füchsen als Protagonisten gedreht, die auch online zu sehen waren. In der begleitenden Plakatkampagne des zweiten Kinospots demonstrierten die Handballer, wie man professionell wirft und trennt.

Altglas kann beliebig oft eingeschmolzen und dann zu neuen Produkten verarbeitet werden. Es hat eine Recyclingquote von fast 100 Prozent. Steckt in dem großen Haufen Weißglas aber auch nur eine grüne Scherbe, kann die ganze Charge verunreinigt werden. Darum ist es so wichtig, dass jedes Gefäß in den richtigen Behälter kommt. Was wohin gehört, darauf wiesen Poster in U- und S-Bahnhöfen Berlins hin: Leere Ketchup- und Rotweinflaschen sowie Gurkengläser erhielten neue Markennamen wie Weißglas, Braunglas oder Grünglas. Übrigens: Glas, das nicht eindeutig zuzuordnen ist, wie blaues, rotes oder auch schwarzes Glas, gehört immer in den grünen Altglasbehälter.

Wer mit der BSR zusammenarbeitet, dem wird dieses Wort irgendwann sehr geläufig: „Fehlwürfe“. Der Begriff meint jenen Abfall, der in die falsche Tonne geworfen wurde. Ein Glas Babynahrung in der Papiertonne, eine Shampooflasche im Glascontainer, ein Pappkarton in der Wertstofftonne. Vielleicht ist es nur eine Unachtsamkeit, für die Kreislaufwirtschaft bedeutet es trotzdem, dass wertvolle Ressourcen verloren gehen. Denn ein Glas kann im Papierwerk nicht recycelt werden. Deswegen weint das sonst gut gelaunte Baby auf dem Etikett.

Wie können wir die ernüchternden Zahlen unserer Überflussgesellschaft erklären? Wie erklären wir, dass wir mit unserem Konsumverhalten eigentlich längst im Müll ertrinken – wenn er nicht ständig von der BSR weggeschafft würde? Mit der Kampagne „Trenn dich von der Wegwerfgesellschaft“ entstanden zunächst verschiedene Motive zur Abfallvermeidung, gefolgt von Motiven zur Abfalltrennung. Stadtbewohnerinnen und -bewohner werden darauf in Alltagssituationen von ihren Wasserflaschen, Klopapierrollen, Weinflaschen oder Coffee-to-go-Bechern geradezu überwältigt. Doch es gibt Lösungen: Eine entspannte Tasse Kaffee tut der Umwelt wesentlich besser als ein Pappbecher.