Getrennt befragt: Ist ein Verbot von Einweg-Kunststoffprodukten sinnvoll?

Um die wachsende Plastikflut in den Weltmeeren einzudämmen, will die EU-Kommission bestimmte Einwegprodukte verbieten. Dazu gehören Geschirr, Besteck, Trinkhalme sowie Wattestäbchen aus Plastik. Das TrenntMagazin hat zwei Experten gefragt:

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JA

Einweg-Plastikprodukte für solche Anwendungen zu verbieten, für die es brauchbare weniger schädliche Alternativen gibt, ist eine gute Art und Weise, um das Problem der Plastikvermüllung anzugehen.

Verbote sind wohl das stärkste und radikalste aller verfügbaren politischen Instrumente, liefern sie doch bei guter Umsetzung schnell Wirkung. Beim Plastikmüll spielt genauso wie beim Klima­wandel Zeit eine Rolle, weil diese Gegenstände Tag für Tag die Umwelt verschmutzen. Was Produkte angeht, die nicht recycelbar, teuer zu reinigen sowie bei der Abfallentsorgung umweltschädlich sind und die leicht durch nachhaltige Alternativen ersetzt werden können, gibt es demnach keinen Grund, sanftere Methoden anzuwenden.

Für andere Erzeugnisse wie Lebensmittelverpackungen oder Getränkeflaschen mögen andere Methoden, die über den Preis Anreize und Wirkung erzielen, eher angebracht sein. Aber aus den oben genannten Gründen und um ein klares Zeichen zu setzen für den Markt wie auch für die Bürger, ist gegenwärtig ein Verbot bestimmter Einweg-Plastikprodukte notwendig.

Joan Marc Simon
Executive Director von Zero Waste Europe

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NEIN

Das vorgeschlagene Verbot von Einweg-Plastikprodukten ist nur eine oberflächliche Maßnahme der EU-Kommission, um eine Antwort auf die Medienoffensive gegen Plastik zu finden. Die wahre Ursache der Plastikvermüllung – in erster Linie unzureichende Verbraucherbildung – bleibt außen vor und die Menge an Müll, die in der Umwelt landet, wird so nicht geringer.

Obgleich das Verbot auf die an europäischen Stränden am häufigsten gefundenen Objekte abzielt, wird es wirkungslos bleiben, weil 98 Prozent des Ozeanmülls von Ländern außerhalb Europas und der USA stammen. Stattdessen wird das Verbot unweigerlich zu Ersatzprodukten führen, die der Umwelt mehr schaden können, zum Beispiel weil ihre Herstellung ressourcenaufwändiger ist. Bis heute gibt es keine umfassenden Lebenszyklus­analysen, um wirklich zu klären, welche Produkte weniger umweltschädlich sind. Solange das aussteht, sollten voreilige Aktionen mit weit reichenden und unklaren Folgen unterbleiben.

Niemand bestreitet, dass Plastikprodukte nachhaltiger werden müssen, aber es gibt bessere Mittel, das zu erreichen. Die wichtigsten: Verbraucherbildung und mehr und besseres Recycling.

Alexandre Dangis
Managing Director von European Plastics Converters

ILLUSTRATIONEN Andree Volkmann

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