Getrennt befragt: Ist Bioplastik das bessere Plastik?

Bioplastik wird von vielen Herstellern als klima- und ressourcenschonend verkauft. Trotzdem ist es immer noch ein schwer zu recycelnder Kunststoff. Das TrenntMagazin hat zwei Experten gefragt:

 

JA

Es gibt nicht DEN einen Biokunststoff, sondern unterschiedliche Arten. Daher ist es falsch, Biokunststoffe grundlegend als schwer recycelbar zu bezeichnen.

Kunststoffe wie PE, PET und PP können statt aus fossilen Rohstoffen aus Mais, Zuckerrohr oder anderer Biomasse gewonnen werden. Sie helfen fossile Brennstoffe zu sparen und reduzieren Emissionen. Außerdem können sie mit den erdölbasierten Kunststoffvarianten rezykliert werden. Biobasierte Kunststoffe sind somit besser als herkömmliche Kunststoffe.

Manche Biokunststoffe sind biologisch abbaubar und werden in Kompostanlagen von Mikroben zu Wasser, Biomasse und CO₂ transformiert. Dies ist wichtig, wenn ein Kunststoffprodukt mit organischen Abfällen entsorgt wird. Zum Beispiel erfüllt der Bioabfallbeutel aus zertifiziert kompostierbarem Kunststoff strenge Ökotoxizitätskriterien – im Gegensatz zu Zeitungen und Papiertüten. Er hilft, nasse Bioabfälle im Recycling und nicht abbaubares Plastik in der Biotonne zu minimieren.

Kristy-Barbara Lange
Deputy Managing Director/Regulatory Affairs von European Bioplastics e.V. (EUBP)

 

NEIN

Bioplastik ist heute noch keine nachhaltige Alternative zu den klassischen Kunststoffen. Auch wenn es sich so anhört: Nicht alles, was „bio“ heißt, baut sich auch biologisch ab.

Biobasiertes Plastik – also aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnenes Plastik – lässt sich schwer aus dem Kunststoffgemisch der Wertstofftonne herausfiltern. Bioabbaubare – also kompostierbare – Kunststoffe können zwar durch Mikroorganismen zersetzt werden, jedoch dauert dieser Prozess für die industrielle Kompostierung zu lang. Viele Kompostierer sortieren nicht vollständig abgebaute Biokunststoffe zusammen mit anderen Kunststoffen aus dem Kompost, weil sie die Qualität des Komposts verschlechtern.

Einwegverpackungen werden auch durch Bioplastik nicht umweltfreundlicher. Gegen die heutige Plastikflut helfen eher intelligente Verpackungen, die auf weniger verschiedenen Kunststoffsorten beruhen, Mehrwegverpackungen und insgesamt weniger Verschwendung.

Dr. Frederik Wurm
Research Group Leader am Max-Planck-Institut für Polymerforschung

ILLUSTRATIONEN  Andree Volkmann

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