GETRENNT BEFRAGT: Brauchen wir ein Recht auf Reparatur?

Wenn ein Elektrogerät kaputtgeht, entscheiden sich laut einer repräsentativen Umfrage
74 Prozent der Bundesbürger für ein neues Produkt. Denn Reparaturen sind teuer
und Ersatzteile nicht immer verfügbar. Das TrenntMagazin hat zwei Experten gefragt:

Ja

Der Wunsch ist bei vielen Menschen da: 77 Prozent der Verbraucher und Verbraucherinnen möchten ihre Produkte lieber reparieren, als neue zu kaufen. Dass Reparaturen aber oft teuer sind oder gar unmöglich – beispielsweise aufgrund fehlender Ersatz-teile –, liegt daran, dass die Hersteller daran überhaupt kein Interesse haben, die Halbwertszeit eines Gerätes zu verlängern. Deshalb muss die Politik hier regulierend ansetzen. Wir brauchen gesetzliche Regelungen, die den Herstellern vorschreiben, dass sie ihre Geräte reparierbar gestalten und Informationen und Ersatzteile zu angemessenen Preisen zur Verfügung stellen. Software muss auch langfristig mit Sicherheitsupdates versorgt werden können. Es kann nicht wie bisher weitergehen: Kurze Produktlebensdauern fördern zwar die Umsätze der Hersteller. Sie führen aber auch dazu, dass die Abfallberge wachsen und der hohe Energie- und Ressourcenverbrauch das Klima gefährdet. Bessere, langlebige Produkte können unseren Umgang mit Ressourcen grundlegend ändern und auch unsere Beziehung zu Dingen. Denn nur was wir reparieren (lassen) können, gehört uns auch wirklich.

Katrin Meyer
Koordinatorin, Runder Tisch Reparatur e. V.

 

Nein

Wegwerfen oder reparieren? Reparieren natürlich, wenn möglich – denn das ist oft günstiger und schont die Umwelt. Ein gesetzlich verbrieftes Recht auf Reparatur, das verlockend klingen mag, geht aber an der Realität vorbei: Smartphones, Notebooks oder PCs sind hochkomplex. Bei Produktion und Design werden Faktoren wie Funktionalität, Aussehen oder Gewicht berücksichtigt – so könnten etwa hochleistungsfähige Smartphones heute nicht so flach und leicht sein, wenn sie so konstruiert wären, dass jeder Nutzer einzelne Module einfach auseinanderbauen und austauschen kann. Ein unsachgemäßes Öffnen und die Verwendung von Ersatzteilen von Drittanbietern können zudem die Funktionalität der Geräte beeinträchtigen und bergen Sicherheitsrisiken – ins-besondere bei sensiblen Elementen wie dem Akku. Hier wissen die Hersteller und lizenzierte Reparaturbetriebe am besten, ob eine Instandsetzung möglich ist. Vorzuschreiben, dass Geräte von jedem und in jedem Fall reparierbar sind, würde nicht nur deren Funktionalität und Design fundamental ändern – sondern kann auch ein Risiko für die Verbraucher bedeuten.

Melissa Kühn
Referentin für Nachhaltigkeit & Digitalisierung, Bitkom
(Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V.)


ILLUSTRATIONEN
Andree Volkmann

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