Die Naseweissen

KÖNIGLICHE ALLÜREN
Die quadratische Form dessen, was der Berliner mitunter Popelfahne nennt, geht auf einen Erlass des französischen Königs Ludwig XVI. zurück. Angeblich hatte ihn seine Frau Marie-Antoinette („Paris Hilton des Rokoko“) dazu gedrängt, weil ihr runde und dreieckige Tüchlein nicht gefielen.

CRITICAL WHITENESS
Papiertaschentücher werden aus Zellstofffasern hergestellt. Dafür wird Papierbrei getrocknet, zu Bahnen ausgerollt, geschnitten, gefaltet und verpackt. Vier dünne Lagen ergeben ein Taschentuch. Wer findet, dass frischer Zellstoff in Wegwerfprodukten nichts verloren hat, sollte aus Altpapier recycelte Tücher mit dem „Blauen Engel“ kaufen. Das spart Holz, Energie und Wasser.

DER NASE NACH
Putz und weg. Aber wohin? Nicht im Klo runterspülen! Nicht ins Altpapier! Und schon gar nicht in den Biomüll! Zerknüllt und verkeimt sind Taschentücher wie alte Pizzakartons zu schmutzig, damit wieder neues Papier aus ihnen wird. Also ab in den Restmüll.

Gefällt Ihnen das TrenntMagazin?

RICHTIGER RIECHER
Dieser Tag hat die Zukunft der Rotznase verändert wie kein anderer: Am 29. Januar 1929 betrat der Papierfabrikant Oskar Rosenfelder das Reichspatentamt in Berlin und ließ sich unter der Nummer 407752 faltbare Schnupftücher aus reinem Zellstoff schützen. Der Name seines revolutionären Produkts: Tempo.

BEGLEITERSCHEINUNG
Als die Schriftstellerin Herta Müller 2009 den Literaturnobelpreis bekam, erzählte sie in ihrer Rede vor der Schwedischen Akademie, dass sie von ihrer Mutter jeden Morgen gefragt wurde: Hast du ein Taschentuch? „Ich hatte jeden Morgen keines, weil ich jeden Morgen auf die Frage wartete. Das (…) war der Beweis, dass die Mutter mich (…) behütet.“  Heute sind die Deutschen übrigens tüchermäßig überbehütet: Sie verbrauchen mehr als 50 Päckchen Papiertaschentücher pro Jahr.

FOTO Melanie Buß