Die große Welt des Mülls

Bewegte Zeiten: Erdöl ist der wichtigste Rohstoff weltweit für Energie, Transport und
die Kunststoffherstellung, aber die Erdölreserven reichen nur noch etwa 50 Jahre. Die Folgen der Ölförderung belasten Klima und Umwelt. Wir zeigen bewegende Ideen, aus Müll neue Kraft zu schöpfen.

Günstigster Asphalt der Welt

Vancouver

Bis 2020 will die kanadische Stadt Vancouver die grünste Stadt der Welt werden. Durch ein innovatives Verfahren der Firma Green Mantra wird Plastikmüll ein zweites Leben gegeben, und zwar als Asphalt. Der neue Straßen­belag kann bereits bei einer Temperatur von 40 °C aufgetragen werden – normaler Asphalt benötigt 160 °C. Dadurch werden etwa 300 Tonnen CO₂ im Jahr eingespart. Auch die niederländische Stadt Rotterdam testet einen neuen Straßenbelag aus recyceltem Kunststoff.

Über Kunststoffbrücken musst du gehen

Schottland

Über dem Fluss Tweed im Südosten Schottlands hat das britische Unternehmen Sicut im Oktober 2011 eine Straßenbrücke aus Plastikflaschen errichtet. Mit fast 30 Metern ist das Bauwerk die längste und stabilste Brücke aus wiederverwendetem Material der Welt. 50 Tonnen Plastikmüll wurden eingeschmolzen und zu Paneelen verarbeitet, damit die Brücke das Gewicht von 44 Tonnen aushalten kann. Ähnliche Brücken wurden in den USA errichtet.

Mit Plastikflaschen um die Welt

Frankreich

40.000 Seemeilen um die Welt innerhalb von drei Jahren – das Schiff, das diese Weltumrundung machen soll, wird nur mit Plastikmüll bewegt. Der Franzose Simon Bernard, Gründer der Non-Profit-Organisation Plastic Odyssey, möchte ein 25 Meter langes Schiff bauen. Dieses soll den Plastikabfall aus den Ozeanen einsammeln
und ihn in einer mobilen Recyclinganlage in Treibstoff für die Motoren verwandeln. Die Weltpremiere ist 2020 geplant. Eingesammelte Plastikteile, die nicht zur Energiegewinnung des Schiffes taugen, sollen in Recycling-Workshops mit der lokalen Bevölkerung weitergenutzt werden. Das soll zeigen, wie Plastik als wertvolle Ressource in der lokalen Wirtschaft und im Alltagsleben verwendet werden kann.

Ordentlich Kaffee getankt

London

Das britische Start-up Bio-Bean hat gemeinsam mit dem Erdöl­­konzern Shell einen Biodiesel entwickelt, der zu 20 Prozent aus Kaffeeresten besteht. Das Unternehmen hat für ein Ende letzten Jahres gestartetes Pilotprojekt 6.000 Liter Kaffeeöl aus Kaffeesatz extrahiert. Damit soll ein Londoner Bus 365 Tage fahren können. „Wir haben in Großbritannien angefangen, aber stellen Sie sich mal das Potenzial eines Landes wie Deutschland vor, in dem mehr als 61 Milliarden Tassen Kaffee pro Jahr getrunken werden“, sagt Bio-Bean-Gründer Arthur Kay.

Maritime Müllabfuhr

Honkong

Die deutsche Umweltorganisation One Earth – One Ocean will Gewässer weltweit von Plastikmüll, Öl und Schadstoffen befreien. Die „Seekuh“ ist das erste zertifizierte Müllsammelschiff weltweit. Anfang 2018 hat sie in Hongkong jeden Tag mehrere Tonnen Plastikmüll eingesammelt. Nach drei Monaten intensiver Arbeit ging es weiter nach Singapur. Nächster Stopp ist Manila auf den Philippinen. Mülltrennung und Recycling erfolgen noch an Land. Der Verein plant aber den Bau eines autarken Energieschiffes namens „Seeelefant“, das an Bord aus dem eingesammelten Plastikmüll Treibstoff produzieren kann.

Kraftstoff aus der Tonne

Berlin

Die Hälfte der Müllfahrzeuge der Berliner Stadtreinigung (BSR) wird im Prinzip mit dem Müll betankt, den sie selbst einsammeln: Die BSR vergärt in ihrer Anlage den Berliner Biomüll zu Biomethan, das dann zum Betanken von 150 gasbetriebenen Müllfahrzeugen verwendet wird. Mit der Energiemenge im Biomethan – fast 30 Millionen Kilowattstunden – ersetzt die BSR pro Jahr 2,5 Milli­onen Liter Dieselkraftstoff und spart damit große Mengen CO₂ und Feinstaub. Zudem reduziert sie die Lärmemissionen deutlich. In Summe spart die Anlage durch konsequente Kreislaufwirtschaft und optimale Ausnutzung des Biomethans jedes Jahr ca. 9.000 Tonnen CO₂ ein. Die Gärreste aus der Biogaserzeugung gibt die BSR als hochwertigen Dünger an die Landwirtschaft ab.