Das neue Öl

Sand ist ein ganz besonderes Material. Die winzigen Quarzsteinchen sind die Grundlage unserer modernen Gesellschaft. Vor allem für die Bauwirtschaft, die Computerindustrie und den Tourismus. In enormer Geschwindigkeit werden Flüsse und Meere abgeschöpft und das kostbare Material in die boomenden Wirtschaftsregionen gebracht: Dubai, China, Singapur. Mit 40 Milliarden Tonnen wird jedes Jahr etwa neunmal mehr Sand als Rohöl abgebaut. Aber die Sandvorkommen werden knapp. Einige Wissenschaftler sprechen analog zum „Peak Oil“ schon vom „Peak Sand“. Was rinnt uns da gerade durch die Finger?


Sandmann, lieber Sandmann

Der Sandmann taucht seit Jahrhunderten in Erzählungen auf, unter anderem bei E.T.A. Hoffmann und Hans Christian Andersen. Am berühmtesten ist der kleine Mann mit weißem Spitzbart und Zipfelmütze aber als Fernsehstar in Stop-Motion. Von 1959 bis 1989 wurde im geteilten Deutschland sowohl ein Sandmännchen beim Deutschen Fernsehfunk in der DDR als auch bei der ARD für die Bundesrepublik produziert. Eines aber blieb immer gleich: Am Ende streut er den Kindern Schlafsand in die Augen, die angenehme Träume schenken. Am 30. November wird der Sandmann übrigens 60.



Nur Meeressand ist dafür geeignet, Beton anzumischen. Allerdings ist dieser knapp. Nur 5 Prozent der weltweiten Sandvorkommen können zum Bauen ­genutzt werden.



Woher kommt der Sand?

Deutschland hat zwar viele Sandvorkommen, aber nur ein Drittel davon kann abgebaut werden. ­Der Rest lagert in Naturschutzgebieten, ­Wäldern oder bei Ortschaften. Wo gibt es überhaupt noch was ­zu holen?


ICH BAU DIR EIN SCHLOSS AUS…

…irgendetwas anderem, ­aber nicht Sand. Denn es gibt Alternativen:

Recyclingglas
Da Glas zum größten Teil aus Sand hergestellt wird, kann man Altglas zerkleinern, mahlen und so einen sandartigen Werkstoff gewinnen, der die gleichen Materialeigenschaften wie Meeressand hat. In groß angelegten Feldstudien versucht der US-Bundesstaat Florida mit gemahlenem Glas weggespülte Strände wieder neu aufzufüllen – mit großem Erfolg, da die neuen Landmassen auch von Flora und Fauna angenommen werden. Für die Baubranche wird Recyclingglas aber nicht alle Probleme lösen, da Glas für Stahlbeton ungeeignet ist. Die im Zement enthaltenen Alkalien lösen einen Teil des zermahlenen Glases und lassen Beton rissig werden.

Recyclingbeton
Einige Bauprojekte zeigen, dass Beton zurückgewonnen werden kann, wie beispielsweise das neue ­Forschungsgebäude der Humboldt-Universität Berlin.

Lehm
ist eine kostengünstige und nachhaltige Alternative. Die Wände des Gottesdienstraumes in der Berliner Kapelle der Versöhnung sind aus Stampflehm.



DIY
Aus Sand Knete machen

Und so geht’s:
1.
In einer Schüssel 2 Tassen extra­-feinen Sand und 2 Esslöffel Stärke mischen.
2. 2 Teelöffel Spülmittel und etwas Wasser hinzugeben und gründlich mischen.
3. Auf einem großen Blech verteilen und 1–2 Stunden trocknen lassen.

 

FOTO (Wüste) Chris Sisarich | FOTO (Sandmann) rbb/Stephan Pramme/rbb Media | ILLUSTRATION  Tidian Camara

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