Darm mit Charme

WURSTOBSESSION
Von der Aalrauchmettwurst bis zur Zungenwurst: Deutschland isst Wurst. Mehr als 1.500 unterschiedliche Sorten gibt es hier zu lande. Von den 60 Kilogramm Fleisch, die jeder statistisch pro Jahr verputzt, entfällt fast die Hälfte auf Wurst oder Schinken. Je nach Sorte und Dicke der Wurst sind das mindestens vier Scheiben täglich. Die Hälfte davon steckt nicht im Naturdarm.

HAUPTSACHE VEGAN
Sie sollen aussehen wie Wurst, sich im Mund so anfühlen, so schmecken – aber ohne Tier auskommen: vegetarische und vegane Wurst-Imitate. Die alternativen Würste bestehen aus hochverarbeitetem Ei, Soja, Weizen oder Erbsen. In Form gebracht werden die fleischlosen Nachbildungen in der Regel in einem Schlauch aus Zellulose, der am Ende der Herstellung wieder abgeschält wird. Im Trend: essbare Wurstpellen aus Alginat, das aus Braunalgen gewonnen wird.

WURST-CASE-SZENARIO
Alles hat eine Haut, nur die Wurst hat zwei: entweder eine tierische oder eine künstliche. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Masse aus Fleisch, Speck, Salz und Gewürzen in die Därme, Blasen oder Mägen von geschlachteten Rindern, Schweinen oder Schafen gemacht. Als Fleischwaren zu billigen Massenprodukten wurden, bekamen sie künstliche Schläuche aus Papier, Baumwolle oder Kunststoff. Solche Wurstpellen sind allerdings kein Verpackungsmüll und gehören nicht in die Wertstofftonne, sondern in den Restmüll.

JÄGERSCHNITZEL
Die DDR ist verschwunden, das Rezept für den Kantinen- Klassiker der DDR ist noch da: eine panier te Scheibe Jagdwurst . Dafür Wurst in fingerdicke Scheiben schneiden, in Mehl, dann in verrühr tem Ei und schließlich in Semmelbröseln wenden. Danach die umhüllten Wurstscheiben in einer Pfanne in Öl oder Butterschmalz knusprig braten. Als Beilage: Spirelli und Tomatensoße.

WEIT HERGEHOLT
Dass eine Wurstpelle Schlagzeilen macht, ist ungewöhnlich. Doch für die Schweizer ging es um die Nationalwurst: den Cervelat (ausgesprochen: Serwela). Wegen der BSE-Krise war die Einfuhr von Rinderdärmen aus Brasilien verboten worden, die der schweizerischsten aller Würste als Hülle dienen. „Darm-Alarm“ titelten deshalb die Zeitungen, als die Vorräte 2008 zu Ende gingen. Erst die „Taskforce Cervelat“ des Fleischverbandes beendete die Wurstkrise; sie fand Alternativen in Uruguay und Paraguay.