3 Fragen an Simon Lee

Simon Lee, der in seinem Circular Economy Lab auf dem Gelände der ehemaligen Kindl-Brauerei nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft ein Projekt-Haus baut. Dinge sollen von Anfang an so konzipiert sein, dass sie immer weiter verwendet werden können.

Wie schafft ihr es, dass so viele Materialien wie möglich beim Hausbau weiterverwendet werden können?
Zum einen analysieren wir den vorhandenen Bestand, um herauszufinden, welche Materialstoffe wir wiederverwenden können. Wir schauen uns unsere Bedarfe an und überlegen entsprechend, welche Sekundärrohstoffe einsetzbar wären. Zum anderen schauen wir uns die Art und Weise an, wie wir bauen, und zwar so, dass die Teile, auch Neubauteile, nach ihrem jeweiligen Lebenszyklus rezyklierbar sind. Konkret heißt das zum Beispiel: Schrauben statt Kleben, recycelte Materialien, Teilen statt Besitzen.

Manche sprechen von einem „Haus aus Abfall“. Würdet ihr das auch so sagen?
Wir haben eine Art Leitsatz: „Waste is opportunity.“ Insofern würden wir ein solches Haus als Möglichkeitsraum sehen. Tatsächlich wünschen wir uns für die Zukunft, dass das Wort „Müll“ oder auch „Abfall“ in ein paar Jahrzehnten in allen Wörterbüchern fehlt, weil es einfach nichts mehr bedeutet!

Welche Materialien sind besonders schwierig im Kreislauf zu behalten?
Plastik ist eine große Herausforderung, weil es allgegenwärtig und sehr langlebig ist und damit natürlich eine zirkuläre Lösung braucht. Andererseits belasten aber viele Plastik-Arten die Umwelt stark. Die chemischen Prozesse, mit denen zum Beispiel Kunststoffe gelöst und wieder in Umlauf gebracht werden können, sind immer noch aufwändig und teuer und auch noch nicht ausreichend erforscht. Im Baubereich spielt Beton eine große Rolle. Wir versuchen, Beton weitestgehend zu vermeiden, und da, wo wir nicht drum herum­kommen, untersuchen wir gerade, inwieweit wir Recyclingbeton verwenden können.

www.crclr.org

FOTO Alexander Mercutio