3 Fragen an Ria Müller

Ria Müller
Als Projektleiterin von DiTex, einer Machbarkeitsstudie zum Textilrecyling, will sie am Berliner Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) herausfinden, wie aus alter Kleidung neue werden kann.

Warum gibt es Textilrecycling nicht schon längst?
Textilrecycling ist gar nicht so selten, bleibt aber für uns eher unsichtbar. Alttextilien werden häufig zu Putzlappen verarbeitet und landen als Auskleidung in Kfz, Flugzeugen und Sitzpolstern. Klassisches Down-cycling. Denn 90 Prozent unserer Textilien bestehen aus Mischgewebe, und sie mechanisch zu recyceln – also Zerreißen – mindert die Faser-qualität. Bei DiTex testen wir deshalb mit der Textilindustrie das chemische Recycling: Unsere Alttextilien werden in Polymere aufgespalten, zu Granulat verarbeitet und dann zu einem hochwertigen Garn für neue Textilien gesponnen.

Wie funktioniert das?
Wir favorisieren eine Tracking-Lösung z.B. ein Chip oder QR-Code in der Kleidung, die so genannte circularity.ID. Darauf werden Qualität und Herkunft der eingesetzten Fasern und Zusammensetzung des Gewebes abgespeichert. Sie ist der Schlüssel für zeit- und kosteneffiziente Altkleidersortierung. Und für das chemische Recycling, weil es nur funktioniert, wenn alle Akteure der Recyclingkette wissen, woraus die Textilien bestehen.

Ist Textilrecycling wirklich die Antwort auf unser „Fast Fashion“-Problem?
Mit Textilrecycling allein schrumpfen wir unseren gigantischen Fast-Fashion-Klamottenberg nicht ein. In dieser Hinsicht wird DiTex den Textilmarkt nicht umkrempeln. Dennoch erhoffe ich mir viel von den DiTex-Textilien. Die Gewebe sind langlebig, chemisch recycelbar und
bis zu 200 Mal industriell waschbar. Das erproben wir derzeit mit Berufskleidung, weil da eine einzige Bestellung von Berufskleidung schon
mal
60.000 Teile umfassen kann.

www.ditex-kreislaufwirtschaft.de

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