Zeige mir Deinen Müll …und ich sage dir, wer du bist.

Zeige mir Deinen Müll …und ich sage dir, wer du bist. Wir haben uns auf eine Expedition in die Welt des Mülls begeben – und dort Erstaunliches über uns und unsere Gesellschaft erfahren.

Der erste Hinweis ist der Müllbeutel selbst. Auf der Müll­deponie der mexikanischen Küstenstadt Mazatlán durch­suchen Müllsammler den Berg herangekarrter Tüten. Finden sie einen Beutel aus festem Material, ist er stark umworben. Vermutlich stammt er aus einer reicheren Gegend des Landes und enthält kleine Schätze der Überflussgesellschaft. Vielleicht ein kaputtes Handy oder teure Kosmetika. Die Luft auf der Müllkippe ist extrem feucht, die Kleidung klebt den meisten am Körper, es stinkt fürchterlich. Aber niemand der etwa 200 Müllsammler beschwert sich. Alle hier sind es gewöhnt, auch Eveline Dürr, die schon mehrere Wochen auf der mexikanischen Mülldeponie ihre Tage verbringt. Dürr ist Ethnologie-Professorin an der Ludwig-Maximilians-Universität München und sucht nicht wie die anderen nach wertvollen Dingen, die sie weiter verwerten oder verkaufen kann, sondern nach Antworten. Was erzählt der Müll über die Menschen? Was lernen wir über ihre Lebens­gewohnheiten, ihren Entwicklungsstand, ihre Probleme.

Wir haben uns auf eine Expedition in die Welt des Mülls begeben. Wir wollen die Spur des Lebens weiterverfolgen, die jeder Einzelne von uns mit seinem Abfall hinterlässt. Dafür treffen wir Wissenschaftler, einen Aktivisten, einen Händler, eine Entsorgerin und einen Künstler, für die Abfall mehr ist als der letzte Rest. Es sind Menschen, die sich in unseren Hinterlassenschaften auskennen und aus ihnen Lebensmittel, Rohstoffe, Kulturgüter oder eben Erkenntnisse destillieren.

TEXT Christian Heinrich | FOTOS Michael Mann

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