Wie eine Tüte im Wind

In Berliner Klassenzimmern werden Alternativen zur Plastiktüte durchgespielt.

Schauspieler kommen für eine Doppelstunde in die Schule. Sie möchten Ausschnitte aus ihrem Film über Plastiktüten zeigen, doch komischerweise kommt alles anders als geplant. Der Film läuft nicht. Die Schulkinder müssen einspringen, sonst scheitert das ganze schöne Projekt. So geht es los, das Mitspielstück „Tüten im Wind“, in dem Grundschüler der vierten bis sechsten Klasse selbst aktiv werden können. Im Anschluss entwickeln die Kinder in unterschiedlichen Spielformen eigene Szenen zu der Frage, wo die vielen Plastiktüten enden. Eine Tüte, die auf dem Schulhof in Neukölln vergessen wird, weht in den Landwehrkanal, gerät in die Havel, ins Meer und in den riesigen Plastikstrudel im Ozean.

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Sollen Tüten am besten verboten werden? Das wird in einer Gerichtsverhandlung diskutiert. Doch die Plastiktüte hat einiges zu ihrer Verteidigung vorzubringen: Sie schützt den Fahrradsattel vor Regen, trägt unsere Einkäufe nachhause und hilft uns an vielen Stellen durch den Alltag. „Hier werden die Kinder oft sehr nachdenklich“, sagt Regisseurin Anne Zühlke. „Sie spüren, dass es auf das eigene Verhalten ankommt. Jeder kann entscheiden, im Supermarkt die Plastiktüte abzulehnen und dafür zu sorgen, dass weniger Tüten verbraucht werden. Zum Schluss machen wir daher ein Foto mit der Klasse, auf dem sich alle an die eigene Nase fassen.“

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Fotos Jürgen Scheer