Weltraumschrott schrottet Milliarden!

10. Februar 2009 Kollision der Satelliten Kosmos 2251 und Iridium.
12. Februar 2010 Reste eines Satelliten gehen über Mexiko nieder.
12. März 2010 ISS geräumt: Schrottstück auf Kollisionskurs. 

Explodierte Treibstofftanks, bei Außeneinsätzen verlorene Schrau­benzieher, Militär- und sonstige Satelliten a.D. – laut ESA kreisen etwa 600.000 Teile Weltraumschrott um die Erde, die größer sind als ein Zentimeter. Dass ein Zentimeter klein, das All aber groß ist, bedeutet keine Entwarnung. Denn der Mini-Müll ist mit der zehnfachen Geschwindigkeit einer Gewehrkugel unterwegs und setzt im Kollisionsfall die Energie einer Handgranate frei. Schon ein reißzweckengroßes Stück kann Satelliten und Raumfahrzeuge zerstören. Besonders gemein: Die Teile sind erst ab 5 Zentimeter Größe vom Radar zu erfassen. Sie können theoretisch überall im All sein.

Für das fliegende Altmetall gibt es zwei Wege. Was weniger als 200 Kilometer entfernt um die Erde kreist, wird bald angezogen und verglüht in der Atmosphäre. Was dagegen jenseits von 800 Kilometern fliegt, tut das eine halbe Ewigkeit. Dabei treffen große Schrottteile zwangsläufig irgendwann aufeinander und zerbersten in mehrere kleine Teile: ein Schneeballeffekt. Das Pentagon nahm sich jetzt des Themas an. Schließlich gefährdet der Müll aktive Satelliten, die Milliarden kosten. Und von deren Funktionieren Wirtschaft und Gesellschaft abhängen.

Um sich nicht selbst abzuschaffen, beginnt die Raumfahrt, der Müllplage gegenzusteuern. Explosiver Resttreibstoff in den Tanks wird vermieden. Verschleißteile bei der Konstruktion aussortiert. Werkzeug wird bei Außenbordreparaturen an­ge­leint. Und ausgediente Satelliten werden in einen separaten „Friedhofsorbit“ katapultiert oder gezielt zum Absturz gebracht, wie 2001 die MIR über dem Pazifik. So soll der Astroabfall nicht wachsen. Weniger wird er nicht. Denn eine Weltraummüll­abfuhr gibt es nicht. Das Spaceshuttle, das theoretisch in der Lage wäre, alte Satelliten einzusammeln, stellt nächstes Jahr den Betrieb ein. Und unbemannte Müllsammelmissionen sind erst im Stadium von Machbarkeitsstudien.

Vielleicht gibt es aber auch einen neuen Nutzen für all die herumfliegenden Wertstoffe. Hoffnung gibt die Kunst: Im zweiten Teil der klassischen Star-Wars-Trilogie ist es ausgerechnet ein Haufen Weltraummüll, hinter dem sich Prinzessin Leia und Han Solo vor Darth Vader verstecken können.

Bildquelle: ESA/Space Debris (Objekte zur Veranschaulichung überdimensional dargestellt)

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