Sind Biokunststoffe das bessere Plastik?

Der Hunger nach Kunststoffen ist unersättlich. 260 Millionen Tonnen werden jedes Jahr weltweit benötigt.
Aber die Erdölreserven schwinden, die bislang den Rohstoff zur Kunststoffproduktion lieferten. Die Lösung sollen Biokunststoffe sein, die aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais oder Raps gewonnen werden. Aber sind sie wirklich so bio, wie der Name es verspricht? TrenntMagazin hat zwei Experten gefragt:

Sind Biokunststoffe das bessere Plastik?

Marion Fürst: JA.
Danone ist davon überzeugt, dass die Industrie in den nächsten Jahrzehnten wegkommen wird und wegkommen muss von Verpackungen auf Erdölbasis. Derselben Meinung ist auch der World Wide Fund for Nature (WWF), deshalb haben wir gemeinsam eine neue Verpackungslösung entwickelt: Der Activia-Becher besteht aus dem Biokunststoff Polymilchsäure (PLA), der aus dem nachwachsenden Rohstoff Futtermais hergestellt wird.

Durch die PLA-Verpackung leistet Danone einen Beitrag zur Schonung fossiler Ressourcen. Der Verbrauch fossiler Rohstoffe wird gegenüber dem herkömmlichen Becher um 43 Prozent verringert und die Treibhausgasemissionen um 25 Prozent zurückgefahren. Darüber hinaus bietet der Becher mittelfristig die Möglichkeit für einen geschlossenen Recyclingkreislauf.

Thomas Fischer: NEIN.
So genannte „Biokunststoffe“ sind nicht per se umweltfreund­licher. Zwar wächst der Rohstoff nach, aber er belegt auch Ackerflächen, die für Nahrung oder Kraftstoffe gebraucht werden. Dadurch kommt es zu einer enormen Konkurrenz von Biomasse als Chemierohstoff, Energielieferant sowie Nahrungs- und Futtermittel, was letztlich zu einer einseitigen Nutzung der Ackerflächen führt und damit die Artenvielfalt bedroht.
Außerdem werden große Mengen an Pestiziden, Herbiziden und Düngemitteln freigesetzt. Schließlich wird für die Herstellung von Biokunststoffen auch noch Energie benötigt.
Klimaneutral sind sie deshalb auch nicht.

Wenn man einen Jogurtbecher aus Mais einführt, wie es Danone für Activia-Produkte getan hat, dann müsste das in der Gesamtbetrachtung deutliche Umweltvorteile bringen. Das tut er aber nicht. Er beweist einmal mehr: Nicht alles ist grün, was sich grün gibt.

Marion Fürst ist Director Public Affairs, Sustainability & Science bei der Danone Deutschland GmbH.

Thomas Fischer ist Projektmanager für Kreislaufwirtschaft der Deutschen Umwelthilfe e.V.

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