Bis zur kleinsten Faser

Jeder Berliner wirft jedes Jahr mehr als einen Zentner Papier und Pappe weg. Dieses Altpapier ist ein wertvoller Rohstoff, den es unbedingt zu nutzen gilt. 

Der Deutsche braucht Papier. Und zwar jede Menge. Mit rund 250 Kilo pro Kopf und Jahr verbrauchen wir so viel Papier wie alle Afrikaner und Südamerikaner zusammen. Und das ist ein Problem, sagen Umweltverbände. Denn das Holz, das für die Papierherstellung benötigt wird, muss zuerst irgendwo gewachsen und dann geschlagen worden sein. Meistens nicht in unseren Wäldern: Nur sieben Prozent der Papierfasern stam­men von einheimischem Holz. Aber wofür müssen eigentlich anderswo Wälder ge­rodet werden?

Im Jahr 2012 wurden in Berlin 178.986 Tonnen Altpapier gesammelt – pro Kopf sind das 53 Kilo.

Neben Druckerzeugnissen aller Art sind es vor allem Verpackungen, die den Altpapierstapel in die Höhe treiben. So haben nach Aussagen der Gesellschaft für Papierrecycling Verpackungen aus Papier, Pappe und Karton einen Anteil von 41 Prozent am Gesamtverpackungsmarkt. Allerdings wird dafür kaum ein Baum gefällt: Diese Verpackungen bestehen zu fast 100 Prozent aus Altpapier. Das rettet nicht nur Baumleben, sondern auch andere Ressourcen: Gegenüber Primärfaserpapier spart man bei der Verarbeitung von Altpapier mehr als ein Drittel Wasser. Außerdem benötigt man pro Kilo Primärfasern 2,2 Kilo Holz, bei Recyclingpapier hingegen nur 1,2 Kilo Altpapier. Altpapier ist in Deutschland deswegen inzwischen der wichtigste Rohstoff zur Papierherstellung – noch vor Cellulose. Die so genannte Altpapiereinsatzquote liegt bei 71 Prozent, auch wenn es z.B. bei der Herstellung von Schreib- und Hygienepapieren noch Reserven gibt. Ganz ohne Holz als Rohstoff zur Papierherstellung kommt man aus technolo­gischen Gründen aber nicht aus: Durch­schnittlich 20 Prozent der Papier­­fasern müssen bei jedem Recycling­vorgang aus dem Faserbrei entfernt und durch frische Fasern ersetzt werden. Statistisch gesehen kann man Papier damit etwa sechsmal wiederverwerten.

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