Mein Müll & ich – Mythos: PLASTIK

Kunststoff umgibt uns von der Zahnbürste bis zur Nachttischlampe. Kein Wunder, denn er ist universell einsetzbar und sehr lange haltbar. Und genau das ist das Problem: Er verrottet nicht. Mittlerweile können aber viele Kunststoffe recycelt werden. Es gibt sogar Bio-Plastik. Das klingt ja fast wie Kompost. Franziska Voß klärt auf.

Wird Plastik immer recycelt?

Natürlich kann Kunststoff grundsätzlich recycelt werden. Das Schöne am künstlichen Stoff ist, dass nahezu jede benötigte Materialeigenschaft hergestellt werden kann. Aber nur wenn die Kunststoffe sortenrein sind – also gemeinsame Materialeigenschaften haben –, können sie wieder verwertet werden.

Oft besteht aber ein einziger Gegenstand schon aus verschiedenen Kunststoffen, die für den Verbraucher scheinbar untrennbar miteinander verbunden sind. In den heutigen Hightech-Sortieranlagen können viele Kunststoffe sortenrein sortiert und auf den entsprechenden Verwertungsweg gebracht werden. Es bleiben immer Mischkunststoffe übrig, die dann aber zumindest energetisch verwertet werden. So ersetzen sie fossile Energieträger. Trennen ist also auch beim Kunststoff in jedem Fall sinnvoll. Ab damit in die Wertstofftonne! Noch wichtiger ist aber gerade beim Kunststoff die Abfallvermeidung.

Sind Biokunststoffe die bessere Alternative?

Beim Biokunststoff kann es sich um einen Kunststoff handeln, der biobasiert ist, also aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais oder Kartoffeln hergestellt ist. Oder es sind Kunststoffe, die zwar biologisch abbau­bar sind, jedoch aus Erdöl gemacht sein können.

Biologisch abbaubare Kunststoffe sind jedoch nur unter besonderen Feuchtigkeits- und Temperatur­bedingungen kompostierbar, dies können die Anlagen meist nicht einhalten. Ein Recycling von bio­abbaubaren Tüten ist ebenfalls nicht möglich.
Da der Bioabfall in Berlin zunächst in eine Biogas­anlage gelangt, werden alle Tüten vorher aussortiert.

Der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen, die für die Herstellung von bioabbaubaren Kunststoffen verwendet werden, steht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion und forciert Mono­kulturen, die sich auch auf die Umwelt negativ auswirken. Eine Studie des Umweltbundesamtes im Jahr 2012 untersuchte die gesamtökologischen Aspekte. Die Schlussfolgerung: Biokunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen haben gegenüber denen aus Rohöl keinen Vorteil.

Wie kann man Kunststoff­verpackungen und -tüten vermeiden?

Man sollte nur dort Kunststoff­verpackungen nutzen, wo es nicht anders geht. Statt Einkaufstüten eignet sich ein lange verwendbarer Beutel zum Beispiel aus Baumwolle oder recycelten PET-Flaschen. Obst und Gemüse am besten unverpackt kaufen. Für Getränke sind Mehrwegflaschen die beste Alternative.
Sie können etwa 25-mal neu befüllt werden, wenn sie aus Kunststoff sind, und sogar 50-mal, wenn sie aus Glas sind. Noch besser ist natürlich, Leitungswasser zu trinken und es für unterwegs abzufüllen.

Komprimierte Deodorants, Wasch- und Reinigungsmittel als Konzentrat oder in Nachfüllpackungen sparen viel Verpackung im Alltag. Allerdings sollte man hier auch auf die richtige – geringe – Dosierung achten.

Nachgefragt bei:

Franziska VoßFranziska Voß
BSR-Abfallberaterin
Abfallberatung@BSR.de

Franziska Voß ist Expertin für alles, was man loswerden möchte: Sie weiß genau, in welche Tonne welcher Abfall gehört und was danach mit ihm passiert. Ihre Fragen beantwortet sie direkt per E-Mail oder Telefon. Und an dieser Stelle.