Müllmythen: Alles muss versteckt sein

Verpackungen sind überall. Wir können sie kaum vermeiden. Aber welches Material ist besser? 

Wo können wir weniger Verpackungsmüll produzieren?

Verzicht auf Gewohnheiten ist leider immer die erste Assoziation, wenn es um mögliche Verpackungsvermeidung geht. Vieles ist aber nicht zwangsläufig umständlich oder kompliziert. Das Zauberwort lautet Mehrweg. Durch Nutzung eines wiederverwendbaren Beutels können Plastik- und Papiertüten eingespart werden und für spontane Einkäufe passt er eigentlich immer in die Tasche. Der eigene Mehrwegbecher und die Brotdose ersetzen prima den Coffee-to-go-Becher bzw. die Brötchentüte. Bei Getränkeflaschen hat sich teilweise das Mehrwegsystem bereits etabliert. Die Flaschen können bis zu 50 Mal wieder­verwendet werden.

Ansonsten kann man Nachfüllpackungen verwenden und bei Obst und Gemüse auch auf unverpackte Varianten achten. Wer sich noch stärker einsetzen und der Verpackungsflut trotzen will, kann sich auf verpackungsfreie Supermärkte oder auf das zunehmende verpackungsfreie Sortiment herkömmlicher Supermärkte stürzen. Steigendes Kunden­interesse führt letztendlich auch zu neuen, nachhaltigeren Angebotsformen.

Gibt es eigentlich Verpackungen, die für das Recycling besser geeignet sind als andere?

Viele Alltagsgegenstände und vor allem Lebensmittel gibt es nur verpackt zu kaufen. Für ein mögliches Recycling ist es wichtig, dass die richtige Tonne für die Entsorgung genutzt wird. Doch zuvor kommt die Trennung nach Material: Das Konservenglas gehört in den Glascontainer, der dazugehörige Metalldeckel in die Wertstofftonne, um nur ein Beispiel zu nennen. Metallverpackungen sowie Glas- und Papierverpackungen können nämlich besonders effektiv recycelt werden. Sortenreine Kunststoffe wie beispiels­weise Polypropylen, Polyethylen oder PET werden in der Wertstoffsortieranlage sehr gut erkannt und dann in den richtigen Recyclingkreislauf gebracht.

Aus welchem Kunststoff eine Verpackung besteht, ist für den Laien nicht immer erkennbar. Leider, denn es gibt auch viele Mischkunststoffe. Und die können nur schwer recycelt werden. Eine Ausnahme bei den Verbundmaterialien sind die Getränke­kartons: Der hohe Papieranteil wird recycelt, das Aluminium wird im Zementwerk als Zusatzstoff gebraucht und das Plastik dient nebenbei als Brennstoff. Biokunststoffe sollen biologisch abbaubar sein, ihre Verrottung dauert aber viel zu lange, als dass daraus gemeinsam mit den Küchenabfällen Kompost gemacht werden könnte. Die Biokunststoffe werden auch nicht als solche von der Wertstoffsortieranlage erkannt. Sie werden daher zumeist thermisch verwertet, also verbrannt.

Wie hält man den Geschenkpapierberg zu Weihnachten klein?

Durch den Kauf der Geschenke, die zudem auch hübsch eingepackt werden wollen, und durch den erhöhten Konsum an Lebensmitteln fallen zur Weihnachtszeit immer besonders viele Verpackungen an. Man muss nicht immer fabrikneue Geschenke machen. Liebevoll Ausgesuchtes aus Secondhandläden oder von Gebrauchtwarenportalen wie dem Tausch- und Verschenkmarkt der BSR hat einen doppelten Mehrwert: Es ist ohne Verpackung zu haben und wird weiter genutzt.

Ich selber nutze altes Geschenkpapier sowie Geschenktüten erneut. Also packe ich Geschenke sehr vorsichtig aus, damit die Wiedernutzung möglich ist. Man kann Dinge aber auch in schönes Zeitungs- oder Zeitschriften­papier einpacken oder in eine knitterfreie und gut wiederverwendbare Stoffhülle kleiden. Oder ganz auf materielle Geschenke verzichten und „Zeit statt Zeug“ schenken.

Nachgefragt bei:

Franziska VoßFranziska Voß
BSR-Abfallberaterin
Abfallberatung@BSR.de

Franziska Voß ist Expertin für alles, was man loswerden möchte: Sie weiß genau, in welche Tonne welcher Abfall gehört und was danach mit ihm passiert. Ihre Fragen beantwortet sie direkt per E-Mail oder Telefon. Und an dieser Stelle.