Mein Müll & ich – Mythos: Mülltrennung

Beschäftigt man sich mit dem Thema Abfall und Recycling ein wenig eingehender, tauchen oft Fragen und Mythen auf. Die Abfallberaterin Franziska Voß wird diese in unserer neuen Serie klären.

Ob Bauschutt wegmuss oder die Schallplatten-Sammlung raussoll: Franziska Voß erklärt, wo die Dinge hingehören, wie sie entsorgt werden, was mit ihnen passiert. Ihre Fragen beantwortet sie direkt per E-Mail oder Telefon. Und ab sofort an dieser Stelle.

Stimmt es, dass letztlich sowieso alles zusammengeschmissen wird?

Der Wert von Müll ist einigen Menschen nicht bewusst. Für sie ist Abfall lediglich etwas, was beseitigt werden muss. Häufig kommt die Annahme daher, dass beispiels­­weise bei der Glasentsorgung die verschie­denen Glas­farben im selben Fahrzeug laden. Was wir nicht sehen: Das Fahr­zeug hat separate Kammern, um die verschiedenen Farben getrennt voneinander zu transportieren. Die Annahme, dass alles zusammengeschmissen wird, kommt aber auch daher, dass die Leute teilweise nicht wirklich wissen, warum wir Abfälle eigentlich getrennt erfassen.

Wozu trennen wir unseren Müll?

Abfalltrennung ist gelebter Umweltschutz. In Deutschland verfügen wir bereits über ein hoch entwickeltes Abfallwirtschaftssystem, das vorsieht, alle Abfälle getrennt zu erfassen, um sie dann gut zu verwerten. Denn nur so können Wert­stoffkreisläufe geschlossen, wertvolle Ressourcen geschont und klimaschädliches CO₂ vermieden werden. Das vorsortierte Glas beispielsweise wird nach der Abholung nochmals aufwändig sortiert, gereinigt, zerkleinert, eingeschmolzen und dann zu neuen Produk­ten verarbeitet. Dabei ist Altglas sogar zu 100 Prozent recycelbar – ohne jeglichen Qualitätsverlust.
So besteht jede neue Flasche heutzutage bereits aus circa 60 Prozent Altglasscherben. Und Altpapier ist der wichtigste Rohstoff zur Papierherstellung – noch vor frischer Zellulose. Auch Wertstoffe, wie alte Plastik­schüsseln, Metalltöpfe oder Jogurtbecher, können zu neuen Produkten werden. Die Wertstofftonne macht das möglich. Seit 2013 betreibt die BSR in Ruhleben eine Vergärungsanlage für die Berliner Bio­abfälle.
Das entstehende Biogas treibt 150 Müllfahrzeuge an, die so leiser und ohne Dieselruß fahren. Die anfallenden Gärreste dienen in der Landwirtschaft als fester und flüssiger Dünger. Der einzige Kreislauf, bei dem sowohl energetisch als auch stofflich verwertet wird!

Gehen die Berliner also besonders vorbildlich mit ihren Abfällen um?

Die Deutschen gelten ja als Trenn-Weltmeister. Wir Berliner liegen im deutschen Mittelfeld. Die Bioabfalltrennung könnte beispielsweise noch besser werden.
Wir sammeln pro Kopf 19 kg Bioabfälle im Jahr in der Biotonne ein. Dass grund­sätzlich noch Beratungsbedarf besteht, sehen wir daran, dass sich noch viele organische Materialien, vor allem Küchenabfälle, im Hausmüll befinden.
Auch Kunststoffe, Papier und Glas können noch besser getrennt ge­sammelt werden. Nach aktuellen Erkenntnissen sind nur rund ein Fünftel des gesammelten Haus­mülls tatsächlich Restabfälle. Der Großteil sollte daher in den anderen Behältern oder auf Recyclinghöfen gesammelt werden und dem Recycling zur Verfügung stehen. Durch verschiedene Kampagnen der BSR oder der Trenntstadt Berlin versuchen wir, die Berlinerinnen und Berliner noch besser aufzuklären, um damit die Abfalltrennung zu optimieren.

Nachgefragt bei:

Franziska VoßFranziska Voß
BSR-Abfallberaterin
Abfallberatung@BSR.de

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