Mein Müll und ich: Mehrwegflasche oder Kartonverpackung?

Laut Umweltbundesamt gelten beide Verpackungsarten als „ökologisch vorteilhaft“. Doch welche von beiden ist die bessere?

Wenn ich mir einen Liter Saft oder Milch kaufe, was ist dann aus ökologischer Sicht sinnvoller: ein Getränkekarton oder eine Glas-Mehrwegflasche? Die Antwort auf diese Frage ist schwieriger, als es auf den ersten Blick aussieht. Leere Mehrwegflaschen müssen transportiert, gereinigt und am Ende ihres Lebens wie­der eingeschmolzen werden. Das alles verbraucht Energie – mehr als es bei gleicher Getränkemenge ein Getränkekarton nötig hätte. Zum Vergleich: Eine leere Mehrwegflasche wiegt 600 Gramm, ein leerer Karton nur 30 Gramm. Je länger also die Transportwege, umso besser erscheint die ökologische Bilanz von Getränkekartons.

Allerdings müssen bei ihnen mehr Rohstoffe für die Herstellung eingesetzt werden als bei Mehrwegflaschen, die bis zu 50-mal wiederbefüllt werden können. In einem Getränkekarton sind drei Materialien zu einem Verbund kombiniert: Karton sorgt für Stabilität, der Kunststoff Polyethylen (PE) macht die Packung dicht, Aluminium schützt den Inhalt vor Licht und Sauerstoff. Um Zellstoff herzustellen, werden Gewässer beansprucht und durch den Holzeinschlag Naturraum zerstört. Werden die Kartons korrekt entsorgt, können die Bestandteile aber auch durch Recycling wiederverwertet werden. Vor allem die langen, reißfesten und damit besonders hochwertigen Zellulose-Fasern des Kartons sind in der Papierindustrie begehrt. Die recycelten Fasern ersetzen als Sekundärrohstoff bei manchen Kartonqualitäten den frischen Zellstoff fast vollständig.

Die Ökobilanz des Umweltbundesamtes kommt deswegen zu dem Ergebnis, dass es zwischen Mehrwegflaschen und Getränkekartons keinen ökologischen Unterschied gibt. Es herrscht ein Patt.

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