Maker an die Macht

In Offenen Werkstätten, FabLabs und Kulturlaboren entwickeln Menschen ein neues Verständnis des Machens. Sie reparieren, basteln, bauen – und finden Lösungen für die dringendsten Probleme der Zeit.

Am Ufer des Gremminer Sees in Sachsen-Anhalt liegt ein Symbol im Sand. Es ist ein Floß, gebaut aus zwei weißen Plastiktonnen, Autoreifen, einer Euro­palette und einem Stahlkäfig, in den zwei junge Männer in Badehose Erde schaufeln, um dort Tomaten- und Kohlrabipflänzchen einzusetzen. Später kommen auch noch Mangold und Kräuter dazu. Ringsum stehen Männer, Frauen und Kinder, die darauf warten, das Floß in den See zu ziehen. Es sieht auf den ersten Blick unspektakulär aus, dieses Gartenfloß in der Größe eines Twingos, gebaut aus Schrott und Schweiß. Aber für all die Menschen hier ist es mehr: Es ist eine Plattform, auf der die Zukunft ausprobiert wird.

 

Die etwa 20 Menschen, die sich die Hosen hochkrempeln, um das Floß ins Wasser zu schieben, nennen sich „Makers4Humanity“, was frei übersetzt „Handwerker für Humanität“ bedeutet. Sie sind aus allen Teilen der Welt an diesem Wochenende an einen ehemaligen Tagebau in der Nähe von Dessau gekommen, um autarke Inselmodule zu bauen: „Open Islands“ nennen sie die Konstrukte, weil sie ihre Erfahrungen frei zugänglich für alle teilen wollen, nämlich Open Source. „Schwimmende Inseln werden in  Zukunft weltweit gebraucht“, sagt der Künstler und Aktivist Joy Lohmann. Als Rettungsinseln in Überflutungs­gebieten, als Landwirtschaftsinseln zum effizienten Anbau von Nahrungsmitteln, als Arbeits- und Energieplattform, als schwimmendes Labor. Lohmann baut seit mehr als 15 Jahren Inseln aus Wohlstandsmüll. „Wir probieren hier aus, was geht und was nicht, um mittelfristig auf soziale und ökologische Krisen reagieren zu können“, sagt Lohmann und meint damit: Überflutungs­katastrophen, steigenden Meeresspiegel, Überbevölkerung, Nahrungsmittelknappheit. Dieser gigantischen Problemflut einen schwimmenden Erdkäfig entgegensetzen zu wollen, klingt größenwahnsinnig, aber: „Wir müssen uns wieder zutrauen, einzugreifen“, sagt Lohmann.

_Joy Lohmann
Künstler und Aktivist

Deswegen hat er auch zu diesem Festival eingeladen. Es sollen Menschen zusammenkommen, die sich allesamt fragen, wie sie konkret mithelfen können, eine andere Version von Zukunft zu gestalten, als sich angstvoll der Ungewissheit zu er­geben. Das Gelände des ehemaligen Tagebaus Ferropolis ist ein guter Ort dafür. Über den Köpfen ragen noch die Arme monströser Braunkohlebagger, der See ist eine geflutete Grube. Das ganze Gelände erzählt, wo­rum es den Machern in den Containerunterkünften am Ufer geht: Wandel. Da zeigt ein Holländer mit schwarzem Filzhut, wie man aus alten Autoreifen nur mithilfe eines Taschenmessers belastbare Plattformen weben kann. Da kocht eine Frau in Wollstrickjacke vegane Pasten und Eintöpfe, weil ihrer Meinung nach zur nachhaltigen Zukunft auch eine fleischärmere Ernährung gehört. Da formen aus Plastikrohren einige Hannoveraner Jungs das Gerüst für ein Sonnensegel. „Die Inseln sind auch eine Plattform für uns, auf denen sich ganz unterschiedliche Maker vernetzen können“, sagt Lohmann. „Dann können wir wirklich etwas verändern.“

_Daniel Bachfeld
Chefredakteur Make Magazin
und Organisator der Maker Faire Berlin

Maker – der Begriff klingt wie eine Zeitgeistvokabel für etwas, das es schon immer gab und immer geben wird: Bastler, Tüftler, Heimwerker, Anpacker, Weltverbesserer. Warum braucht es diesen Anglizismus? Trägt er noch etwas anderes in sich als das bloße Machen? Um diese Frage zu beantworten, haben wir uns auf die Reise zu Offenen Werkstätten, FabLabs, Coworking­Spaces und DIY-Bastelstuben gemacht und haben Menschen getroffen, die „Hardware, Geschäftsmodelle und Lebensentwürfe hacken und dabei entdecken, wie man überlebt und glücklich wird – selbst wenn die Wirtschaft in der Toilette heruntergespült wird“. So hat Cory Doctorow, Chefredakteur des Maker-Blogs Boing-Boing, zumindest einmal den Begriff Maker definiert.

 

Warum Nerds ihre   
Stube verlassen

 

Wenn man einen Überblick über die deutsche Maker-Szene bekommen will, dann muss man sich ihre Haupttreffpunkte anschauen: die Maker-Faires. Zu den Messen zeigen meist technologisch interessierte Bastler, was sie aktuell löten, schrauben, programmieren, 3D drucken, schneidern und so weiter. Da surren 3D-Drucker unaufhörlich und erzeugen Prothesenmodelle, Drohnen fliegen durch die Hallen, Bausätze für die heimische Feinstaubmessung werden erklärt oder Kleidung mit Sensoren vorgestellt. „Die Bewegung ist sehr heterogen“, sagt Daniel Bachfeld, der unter anderem die Maker Faire Berlin organisiert. „In Deutschland sind etwa 80 Prozent der Menschen auf einer Messe technik­affin. Sie interessieren sich für Elektronik, Informatik, Mechanik und sind oft technische Eklektiker. Sie kombinieren unterschiedliche technische Fähigkeiten.“ In den USA sei dagegen die Szene viel stärker auch auf andere Handwerke, den „CraftingBereich“, ausgerichtet, zum Beispiel Häkeln, Stricken, Töpfern, Upcycling, Holzarbeiten. Blättert man die Zeitschrift „Make Magazin“ durch, deren Chefredakteur Bachfeld ist, dann schlägt sich die technik­lastige Orientierung auch darin nieder. Es gibt Anleitungen, wie man einen GPS-Logger (ein Kästchen, mit dem man beispielsweise eine Wandertour aufzeichnen kann) selbst baut, wie man einen Plattenspieler repariert oder eine Wasserorgel aus Plastikmüll herstellt. Früher war das Heft eine Sonderausgabe der Computerzeitschrift c’t“, aber weil das Thema so gut ankam, erscheint es jetzt alle zwei Monate als eigenes Produkt mit einer Auflage von 28.000 Stück am Kiosk. „Früher waren Bastler meistens verschlossen“, sagt Bachfeld, der selbst gern Roboter und Drohnen baut. „Heute wollen sie ihre Sachen erklären, wollen etwas weitergeben und teilen.“ Dafür gehen sie auf Messen, ins Internet oder auch in so genannte FabLabs.

Das ist die Kurzform für Fa­bri­kationslabore. In den offenen Hightech-Werkstätten gibt es CNC-Maschinen, Fräsen, Pressen, Lasercutter, Lötstellen, 3D-Drucker und eine Vision: Hier sollen Privatmenschen die Techniken der industriellen Fertigung neu kennen lernen. Die meisten von uns würden die Produkte und Geräte, die wir tagtäglich benutzen, nicht mehr verstehen, formulierte es der Physiker und Informa­tiker Neil Gershen­feld, der das erste FabLab am US-amerikanischen Massachusetts Institut of Technology im Jahr 2002 gegründet hatte. Deswegen müssten Technik und Techniken entmystifiziert werden. Mit Geräten, die sonst nur die Großin­dus­trie zu bieten hatte, können Laien sich die Produktion wieder selbst aneignen. Aber geht das wirklich so einfach?

 

Wie Fablabber an die
Dinge heranrücken

In einem schwarzen Flachbau an der Prenzlauer Allee ist übergangsweise das FabLab Berlin eingezogen. Dort überbrückt man die Zeit, bis die alte Brauerei nebenan renoviert und ein größeres Areal bezugsfertig ist. Denn Werkstätten mit immer neuen Geräten brauchen Platz. Die 24-jährige Französin Charly-Camille Thomas ist schon seit Jahren aktive Fabberin, war zeitweise Managerin des FabLabs Berlin und führt jetzt durch die Räume, in denen es entweder leise klackert – wie im Textillabor mit Nähmaschinen, Plotter für Vinyldrucke auf Stoff, gehackten Webmaschinen und Strickmaschinen – oder laut rumpelt – wie in der Holzwerkstatt – oder sehr, sehr laut kreischt – wie in der Metallwerkstatt. „Du musst einfach deinen Rechner an eine der Maschinen anschließen und dann kannst du deine Ideen umsetzen“, sagt sie. Entweder wird man dafür drei bis sechs Monate Mitglied im FabLab oder man zahlt je nach genutztem Gerät. Sie bleibt vor einem 3D-Drucker stehen, dessen Düse gerade Schicht für Schicht eine filigrane Vase aus Polymilchsäuren aufbaut, einem Kunststoff. Da­runter steht eine Kiste mit missglückten Druckversuchen. „Als ichhier im FabLab angefangen habe, hat sich niemand Gedanken darüber gemacht, wie man mit all den Überresten umgehen will“, sagt Thomas. Sie suchte nach einem PLA-Recycler in der Gegend, der aus Druckerfiguren wieder Filament macht. Der Wertstoffkreislauf sollte die Fabber auch generell zum Nachdenken anregen über die Ressourcen, die sie verwenden. „Bevor die Fabber die Maschinen bedienen dürfen, müssen sie Workshops mit­machen. Dort kannst du sie auch über die Materialien, deren Herstellung, Eigenschaften und auch Gifte aufklären“, sagt sie. Sie ändern ihre Perspektive, sie zoomen quasi an die sonst so fremde  Welt der Dinge. Weil die Maker physisch und gedanklich so nah an den Herstellungsprozess heranrücken, entwickeln sie eine andere Wertschätzung für die Dinge insgesamt.

FabLabs ermöglichen Menschen, auch dort auf High- und Lowtech und Wissen zuzugreifen, wo das sonst schwierig ist. Beispielsweise sammelte der Togolese Sénamé Koffi Agbodjinou Elektroschrott von den Müllhalden und baute damit einen 3D-Drucker. Dieser Recycling-Drucker war der Anfang des WoeLabs, des ersten FabLabs in Afrika, das sich heute als „Silicon Villa“ bezeichnet – ein Ort des Coworkings, an dem Technologie demokratisiert, geteilt und weiterentwickelt wird. Weil Bauanleitungen, Quellcodes, Software in der Welt der Maker frei zugänglich sind, können FabLabs ein Hebel zur Selbstermächtigung sein.

Warum auch digitale Nomaden einen konkreten Ort brauchen

„Leben und Arbeiten befinden sich gerade in einer großen Transformation“, sagt Christoph Fahle, der den bekanntesten Coworking-Space in Berlin gegründet hat, das Betahaus. Glaubt man dem Global Coworking Survey, sollen in diesem Jahr etwa 1,2 Millionen Menschen in solchen Stätten arbeiten. Das heißt: Sie brauchen keinen festen Ort zum Arbeiten mehr, weil sie keinen festen Job und keine festen Arbeitszeiten und keine festen Güter haben. Sie sind digitale Nomaden und überall dort tätig, wo es Internet und Kaffee gibt. „Aber es gibt eine Renaissance des Physischen“, sagt Fahle. „Menschen brauchen einen konkreten Ort, um sich mit anderen zu verbinden.“ Als er das Betahaus gründete, war der Boom des Coworkings noch nicht absehbar, er wollte einen Platz haben, an dem er mit Gleichgesinnten am Schreibtisch arbeiten kann. Zusammen ist man weniger allein. Daraus ist ein vielgestaltiger Ort mit Konferenzräumen, Café, Loft und auch Holzwerkstatt und Hardware-Lab entstanden. „Wer einen Hocker aus Recycling­materialien bauen will, muss auch ein Programm für die Fräse schreiben.“ Erdenken und erbauen wachsen zusammen – dafür braucht es Netzwerke. Im Betahaus finden sie dafür Raum, Ausstattung und Unterstützung. Die Strukturen sind aber nicht zur professionellen Fertigung ausgelegt, sondern eher zum Modellbau und für Bildungsangebote.

_Charly-Camille Thomas
Mitglied im FabLab Berlin

Wie wichtig ein konkreter Raum für Innovation sein kann, zeigt auch das so genannte InfraLab, ein Coworking-Space für und von den großen Berliner Ver- und Entsorgungsunternehmen. „Es ist ein Spielraum, den es so noch nie vorher gab“, sagt dessen Initiator Norbert Pauluweit. Der Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR) hat schon lange nach einem Ort gesucht, um Zukunftsideen für die urbane Infrastruktur auszubrüten. „Es gibt dort etwa 40 Arbeitsplätze, wo sich Mitarbeitende von der Berliner Stadtreinigung, den Berliner Verkehrsbetrieben, der GASAG, Vattenfall, den Berliner Wasserbetrieben und Veolia zum Arbeiten und Denken zurückziehen können“, erklärt Pauluweit, „sozusagen mal ‚out of the box‘ kommen.“ Seit einem Jahr bilden sich dort Netzwerke untereinander, mit Start-ups, mit dem Senat, mit Studierenden. „Was konkret dabei entstehen wird, lässt sich jetzt noch nicht abschätzen. Wenn wir das vorher wüssten, bräuchten wir den Raum ja nicht.“

_Christoph Fahle
Gründer des Betahauses

Wo Frauen massive Hölzer stemmen

Wer ganz konkrete Ideen hat und dabei Unterstützung braucht, der findet sie in Offenen Werkstätten. Überall in Deutschland gibt es Projekträume, Bürgerzentren und Werkstätten, in denen Menschen gemeinschaftlich bauen, basteln, reparieren. Manchmal helfen sich Nachbarn gegenseitig im Repair-Café, einen Toaster wieder fit zu machen. Manchmal zeigen Up­cycling-Aktivisten in ihren Vereinsräumen, wie man aus Mandarinennetzen Strümpfe häkelt. Manchmal ent­wickeln Hacker und Maker bei Hackathons gemeinsame Software-Anwendungen. „Orte zum Selbermachen“, fasst der Verbund Offene Werkstätten die äußerst vielgestaltigen Angebote zusammen. „Wir nehmen den Frauen, die zu uns kommen, nichts aus der Hand und lassen sie ganz in Ruhe fummeln“, sagt Rosi Klein. Sie leitet die Schokowerkstatt in Berlin, in der seit 30 Jahren Frauen tischlern können. Mont

ags und donnerstags ist die Werkstatt am Nachmittag offen. Nur bei den Maschinen, für die man einen Maschinenschein braucht, übernimmt Klein. An Standbohrmaschine, Handsäge und Schleifer dürfen sich die Teilnehmerinnen aber aus­toben. So entstehen aus Massivhölzern Tische, Stühle, Schränke – entweder nach Vorlagen aus der Tischlerei oder nach den eigenen Ideen der Handwerks-Interessierten. „Frauen trauen sich oft mehr zu, wenn keine Männer dabei sind“, erklärt die Geschäftsführerin Ulli Schlun. Dass Frauen auch jenseits von Strickkursen und Töpfergruppen handwerklich aktiv sein wollen, zeigt der Andrang in der Schokowerkstatt. Die Möbelkurse sind fast immer ausgebucht, rund 100 neue Frauen kommen pro Jahr, viele arbeiten schon am zweiten oder dritten Objekt. „Wenn das Möbelstück fertig ist, sind die Frauen so unendlich stolz“, sagt Werkstattleiterin Klein. „Weil sie etwas mit ihren eigenen Händen geschaffen haben.“ Dass explizit Frauen schweres Handwerkszeug zur Selbstwirksamkeit in die Hand gegeben wird, hängt auch mit dem Ort zusammen. Die Werkstatt gehört zum größten Frauenzentrum Berlins: Die „Schokofabrik“ in Kreuzberg wurde in den Achtzigerjahren von Frauen besetzt und entwickelte sich zu einem Anlaufpunkt der weiblichen Emanzipationsbewegung. Dass sich das Heimwerker nun zur eigenen Bewegung der Selbstermächtigung entwickelt, ist Ulli Schlund und Rosi Klein nicht so wichtig. „Mit dem Wort Maker können wir nichts anfangen“, sagen sie.

 

In einer Studie hat das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung untersucht, wie wichtig FabLabs, Offene Werk­stätten, RepairCafés und andere Orte des Do-it-yourself für gesellschaftliche Transformationsprozesse sind. Die Autoren stellten unter anderem fest, dass an diesen Orten – in unterschied­lichem Ausmaß – nachhaltige Lebensweisen ent­wickelt und ausprobiert werden. Es gebe einen direkten Zusammenhang zwischen der steigenden Zahl von Offenen Werkstätten und einer wieder erstarkten Nachhaltig­keits­be­wegung. Die Maker-Orte dienen als „Reallabore“ und haben das Potenzial, „Postwachstums­pioniere“ zu werden.

Warum Ökos auch mal für etwas sein können

Wenn man das „Kulturlabor Trial&Error“ in Neukölln betritt, erkennt man in jeder Ecke die Insignien dieser Nachhaltigkeit. Da stehen Kleiderständer mit Klamotten im Raum, die gegen eigene aussortierte getauscht werden können. Dort hängen selbst gebaute Schränke an der Wand, die man herunterklappen und in einen Nähmaschinen-Tisch verwandeln kann. Im Keller lagern Gemüse und Kräuter einer Gruppe für Solidarische Feldwirtschaft und hinten im Büro stapeln sich Kisten mit leeren Ge­tränkekartons,

Lederresten, Papierrollen, Stoffen. „Wir möchten hier ausprobieren, wie wir respektvoll mit Menschen und Ressourcen umgehen können“, sagt Ruta Vimba. Die 32-Jährige ist vor acht Jahren zum Kulturaustausch aus Lettland nach Berlin gekommen und hat zusammen mit einer Freundin, die in der Umweltbewegung aktiv war, das Kulturlabor gegründet. In dem kleinen Ladengeschäft stöbern Männer, Frauen, Kinder, Hunde umher, durchsuchen die Tauschkisten. Eine ältere Dame mit weißem Strohhut bietet ausder Thermos­kanne heißes Wasser an. Sie hat nicht so viel, möchte aber gern etwas einbringen, weil sie einfach so gerne da sei. „Ökologische Gruppen wissen oft, wogegen sie alles sind. Wir haben aber nach konstruktiven Alternativen gesucht“, erklärt Vimba. In ihrer Kindheit hat sie viel gebastelt, mit der Oma, „die war wirklich eine Makerin!“. Seitdem muss sie Materialien berühren, sie sich aneignen und verwandeln. Das sei ihr ganz persönlicher Zugang zur Welt. In Berlin begann Ruta Vimba im Kollektiv – zunächst auf dem Wagenplatz Lohmühle – erste Veranstaltungen zum Thema Upcycling zu machen. „Wir haben wahnsinnig viel Zeug gesammelt und mussten auch feststellen, dass wir manchmal damit sogar mehr Müll produzieren.“ Bergeweise von verschnittene Shirts, missglückte selbst gemachte Seifen, unbrauchbare Tausch­waren. Nicht alles, was in Laboren der Zukunft ausprobiert wird, ist gut oder sinn­voll. Trial&Error heißt übersetzt: Versuchen und Scheitern. „Wir möchten experimentieren“, sagt Ruta Vimba. Dazu gehörten manch­mal eben auch Fehler. Aber davor keine Angst zu haben, das Scheitern als Teil des Prozesses zu akzeptieren, das zeichnet alle Maker aus.

 

Am Gremminer See haben die Makers4Humanity mittlerweile das Floß mit dem Erdkäfig ins Wasser gezogen. Applaus brandet auf, ein paar johlen begeistert, Bierflaschen werden klirrend aneinandergestoßen. Die erste Plattform für eine zukunfts­fähige Welt schwimmt. Da ruft plötzlich einer, der noch darauf hockt: „Hey Leute, wo ist eigentlich der Anker?“ Alle gucken sich suchend um. Währenddessen treibt die Mini-Insel hinaus. Die Zukunft ist nicht aufzuhalten.

TEXT Greta Taubert  |  FOTOS Stephan Pramme