Ich befreie Dich

Kreuzberger Kinder lernen Alltagsgegenstände neu kennen

Dorothea Carl und Katja Frenz unterstützen seit 2012 Kindergärten rund um den Görlitzer Park im Aufbau von Restmaterial­sammlungen (ReMaSa). Sie möchten damit erreichen, dass vermeintliche Abfälle weiter genutzt werden und Kinder schon früh ein Bewusstsein für die Umwelt entwickeln können. Die kleinen und auch größeren Dinge werden von Betrieben in Kreuzberg gespendet, auch Erzieher und Eltern steuern oft etwas bei. Die Materialien kommen in verschiedenen Bereichen wieder zum Einsatz – so kann aus großen Papprollen ein Fernrohr gebaut, aus bunten Stoffen ein Kleid geschneidert werden und mit Knöpfen viel über Größen, Farben und natürlich das Zählen gelernt werden.

Stoffreste, Weinkorken, Pappröhren… Übriggebliebenes, das zum Wegwerfen eigentlich viel zu schade ist. Im Projekt Kreuzberger Kiezkontor wird es gesammelt, um die pädagogische Arbeit in Kindergärten zu bereichern.

Die beiden Initiatorinnen führen die Kinder auch an größere Themen heran: „Was ist das? Wo kommt das her?“ sind die Fragen im „Forschungslabor“. Hier werden Alltagsgegenstände wie z.B. ein Tetrapak genau unter die Lupe genommen. Wieso weicht der Karton eigentlich nicht durch? Das können die Kinder selbst entdecken, wenn sie die Beschichtung im Innern untersuchen und einmal ausprobieren, wie lange normale Pappe dicht hält. Es wird genau erklärt, woraus Produkte bestehen, wie sie hergestellt werden und welche Ressourcen dafür nötig sind. Das führt zu Gesprächen über die Auswirkungen auf die Umwelt und was mit den Dingen passiert, die im Müll landen. Viele Kinder entwickeln sich hier mit großem Stolz zu richtigen Umweltexperten. Wie der Fünfjährige, der im Park einen Kronkorken aus der Erde gräbt und von allen Seiten betrachtet. Auf der Unterseite zeichnen sich blasse Keime von Grashalmen ab. „Dadrunter will ja das Gras raus, das befreie ich jetzt!“

Damit weniger Abfall entsteht, können viele Dinge öfter genutzt, geteilt oder getauscht werden. Neben Kleidung, Büchern und Spielzeug auch Ideen und Erfahrungen. In vielen Kitas gibt es Tauschboxen und Flohmärkte, demnächst auch eine Givebox. Dorothea Carl und Katja Frenz von Globalgestalten ist es gelungen, viele Menschen zum Nachdenken über die Konsequenzen ihres eigenen Konsumverhaltens anzuregen – nicht nur in den beteiligten Kitas, auch zuhause ist die Müllvermeidung und die Abfalltrennung dadurch selbstverständlicher geworden.