Kommt nicht in die Tüte

Theoretisch kämen wir mit nur einer Plastiktüte bequem durch ein ganzes Leben. Vorausgesetzt, die Tüte wird immer wieder verwendet. Das ist jedoch die Ausnahme – jeder Deutsche verbraucht durchschnittlich 65 Tüten im Jahr. Die Deutsche Umwelthilfe möchte diese Zahl reduzieren.

Eigentlich wissen wir alle, dass Plastik­tüten ziemlicher Müll sind. Trotzdem greifen wir im Geschäft oft zu. Jede Minute gehen in Deutschland 10.000 Plastiktüten über die Ladentheke, das sind 5,3 Milliarden im Jahr. Oder 100.000 Tonnen verarbeiteter Kunststoff, der wiederum für den Ausstoß von 160.000 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid sorgt.

Ziel des Projekts „Einweg-Plastik kommt nicht in die Tüte!“ der Deutschen Umwelt­hilfe (DUH) ist eine erhebliche Reduzierung des Pro-Kopf-Verbrauchs an Plastiktüten in Berlin. Das Leuchtturmprojekt soll auf ganz Deutschland ausstrahlen. Die DUH setzt dabei nicht nur auf Information über die Folgen des Plastik­konsums, sondern auch auf den Faktor Geld: Sind die Tüten spürbar teurer, verringert sich der Verbrauch. Dies zumindest zeigen die Erfahrungen aus anderen Ländern: In Irland kostet jede Plastiktüte 22 Cent. Statt 328 Tüten je Einwohner werden heute nur noch 16 Plastiktüten verbraucht. In Dänemark werden Einweg­tüten besteuert, Händler müssen sie dadurch teurer einkaufen. Ob sie den höheren Preis an die Verbraucher weitergeben, steht ihnen frei. Die Dänen tragen seit dieser Regelung weniger Tüten nachhause.

Tragfähige Alternativen

Die DUH richtet sich direkt an die Bundesregierung und fordert, Plastiktüten mit einer Abgabe zu belegen. Dieses Vorhaben wird von vielen Politikern, Aktivisten
und Privatpersonen unterstützt. Die Petition dazu kann online unterzeichnet werden. Um Verbraucher einzubinden, informieren Flyer und Plakate in Geschäften über die Umweltfolgen des Plastikmülls und zeigen Alternativen zur Tüte auf. Dazu wurden die üblichen Taschen nach Aspekten der Herstellung und Entsorgung, aber auch der Stabilität und Langlebigkeit bewertet. Am besten schneiden Mehrwegtragetaschen aus recyceltem Kunststoff ab. Die ausführlichen Ergebnisse finden sich auf der Website der DUH.

Die Initiative regt Akteure aus dem Handel an, auf die kostenlose Verteilung der Einwegtüten zu verzichten und neue Wege zu gehen. Und sie prüft und beurteilt Strategien zur Reduktion von Plastik­tüten. Wie kürzlich den Vorstoß aus Brüssel: Die EU will ihren Mitgliedstaaten erlauben, Einwegtüten zu verbieten. Bisher war das aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Einen Haken hat der Vorschlag jedoch. Er beschränkt sich auf dünne Plastiktüten. Clevere Hersteller müssen ihre Tüten also nur ein wenig dicker machen, um einem Verbot zu entgehen.

Egal, wie dick und wie teuer künftig eine Tüte ist, anfangen kann jeder von uns schon heute. Ein Stoffbeutel ersetzt jahre­lang all die kleinen Tüten in Drogeriemärkten. Obst und Gemüse können oft direkt mit dem Preisetikett beklebt und lose in einen Korb gelegt werden. Eine stabile Tasche aus Recyclingmaterial eignet sich auch für den großen Einkauf. Denn: Jede nicht hergestellte und jede nicht verbrauchte Tüte ist ein Gewinn für Umwelt und Klima.

www.kommtnichtindietuete.de

Solche Projekte sind uns 2 Millionen Euro wert.

Wo immer spannende Ideen oder interessante Projekte den Gedanken der Abfalltrennung oder Müllvermeidung fördern wollen, kann die Stiftung Naturschutz Berlin mit den Mitteln des Förderfonds Trenntstadt Berlin helfen. In den Jahren 2013 bis 2015 stehen dafür 2 Millionen Euro zur Verfügung. Ob Sie sich für Abfallvermeidung, Wiederverwertung oder für die Umweltbildung einsetzen möchten, ob als Verein, Verband, Firma, Initiative oder Privatperson: Der Förderfonds Trenntstadt Berlin nimmt Ihren Förderantrag entgegen. Weitere Informationen unter: www.stiftung-naturschutz.de/wir-foerdern/foerderfonds-trenntstadt/