Ich war einmal … ein Bahnsitz

Ich war einmal …ein Bahnsitz in der Münchner U-Bahn. Seit 1971 bin ich durch die bayrische Landeshauptstadt gefahren, habe über 40 Jahre die Einheimischen und die Gäste von München ge- und manchmal auch ertragen. Ihre täglichen Pendeleien erlebt, ihre spontanen Ausflüge begleitet, mit ihnen das Oktoberfest und die Olympischen Spiele gefeiert. Von der Schwabinger Schickeria bis zum Jankerl-tragenden Urgestein haben sich die Schicksale der Stadt mit mir verbunden. 

Als Jörg Schleburg einmal auf mir saß und ein Gespräch zwischen zwei Münchnern ablauschte, begriff er: Mein blaues Leder ist ein episches Material. Er besorgte sich das Sitzmaterial von den Münchner Stadtwerken, ein petrolfarbenes Leder des Zugtyps A und ein braunes Kunstleder des U-Bahn-Typs B.  Zusammen mit seinem Partner Wolfgang Bischoff machte er erste Entwürfe für hochwertige Ledertaschen. Lange fuhren die beiden herum und suchten nach einer geeigneten Produktionsstätte, die mich mit erfahrenen Händen anfassen würde. Sie wurden im Heimatland der Lederverarbeitung fündig: in Italien. In einer Manufaktur in der Nähe von Padua wird aus mir in vielen Handwerksschritten eine hochwertige Tasche genäht. Jetzt stehe ich im Schaufenster von Geschäften. Allerdings nicht nur in München, sondern sogar in Hamburg. So weit hätte mich die Münchner U-Bahn nie getragen. Ich frage mich, was es dort so zu erleben gibt. 

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