Ich war einmal… eines der ersten Kleidungsstücke, das sich Oma Doris selbst genäht hat

… eines der ersten Kleidungsstücke, das sich Oma Doris selbst genäht hat.
Es muss im Jahr 1954 gewesen sein. Deutschland erholte sich allmählich vom Weltkrieg. Es waren Zeiten des Aufbruchs. Doris war damals gerade 17 Jahre alt und hatte Lust auf fröhliche Farben und luftige Stoffe. Sie fand einen Stoff mit großen Blumen darauf und startete ihre ersten Versuche an der Nähmaschine der Mutter. So wurde ich geboren.

Doris liebte mich innig und ignorierte die irritierten Blicke der anderen.
Die Stuttgarter Mode war wohl noch nicht so weit. Wir gingen zusammen spazieren, ins Café, zum Tanz und waren echte Trendsetter. Irgendwann, als die Jahre und die Mode weiterzogen, landete ich auf dem Dachboden von Doris.

Nach Jahrzehnten des Wartens öffnete sich die Schranktür und die 32-Jährige Mona Schütt strahlte mich an. Sie hatte im September 2014 ihren Onlineshop „Oma Klara“ eröffnet und begann in den Kleiderkisten von Omas nach textilen Schätzen zu fahnden. „Vintage-Kleider haben eine Geschichte zu erzählen“, sagt sie. Findet sie ein schönes Stück, nimmt sie es mit zu sich nachhause, näht ein neues Etikett ein, kombiniert es geschickt mit anderen Teilen und bietet es zum Verkauf an. Die Omas bekommen 20 Prozent von der Verkaufssumme und die einstigen Lieblingsklamotten bekommen ein neues Leben.

Ich darf allerdings bei Mona bleiben. Sie trägt mich genau wie Oma Doris damals: mit Spitzenbluse und Riemchensandaletten. Wir gehen jetzt wieder zusammen spazieren, ins Café, zum Tanz. Oma-Mode ist was für Trendsetter.

www.oma-klara.de

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