Helden, wie wir – Tom Domen

Klimakrise, Rohstoffkrise, Finanzkrise: Die Welt bewegt sich auf einen Kollaps zu. Da können eigentlich nur noch Superhelden helfen. Glücklicherweise gibt es sie wirklich: jene Menschen mit Ideen, Engagement und Überzeugung. Sie sind unter uns und zeigen, dass in jedem von uns etwas von einem Weltretter steckt.

Das Image seines Unternehmens hat auch für Tom Domen einen zentralen Wert. Der studierte Industriedesigner arbeitet beim belgischen Reinigungs- und Waschmittelhersteller Ecover und nennt sich „Long Term Innovation Manager“. Ecover ist bekannt für sein Engagement für die Umwelt und hat den Ruf in der Branche, immer einen Schritt voraus zu sein. „Jeder im Unternehmen hat grüne Ziele und einen Sinn für Nachhaltig­keit“, sagt Domen. „Ich filtere die großen Ziele heraus und versuche, sie umzusetzen.“ Dabei kommt ihm zugute, dass ihm 

Zeit gegeben wird. „In den meisten Unternehmen bekommen Langzeitprojekte keine Chance, weil Innovationen immer sehr schnell vorangetrieben werden sollen“, sagt der 43-Jährige, der seit acht Jahren im Unternehmen arbeitet. „Für uns gilt: Nachhaltigkeit ist nur über einen langen Zeitraum zu erreichen und Innovationen sind der Schlüssel. Die Zeit gibt mir die Lizenz zu träumen.“

Manchmal geht es aber doch ganz schnell. Im vergangenen Jahr sorgte Ecover mit der „Ocean Plastic Bottle“ für Aufsehen. Es ist die erste Plastikflasche, in der Plastikmüll aus dem Ozean verarbeitet wird. Schon länger beschäftigte sich Domen mit der Frage, wie man die Vermüllung der Weltmeere verhindern oder zumindest die aktuelle Lage verbessern könnte. Domen studierte Produktdesign, weil er die Entstehung von Produkten beeinflussen wollte. Das Be­wusstsein, dass damit eine große Verantwortung verbunden ist, bekam er bei Ecover eingepflanzt. Je mehr er sich mit den Umweltproblemen und seinem Einfluss darauf beschäftigte, desto akribischer wurde er. Heute sagt er: „Es startet alles beim Produkt­design. Die Materialauswahl, die Verarbeitung des Materials zu einem recycelbaren Produkt. Hätten wir uns schon früher mehr Gedanken darüber gemacht, wären unsere Probleme mit dem Plastikmüll im Meer jetzt geringer.“ Bereits jetzt schwimmt mehr Plastik als Plankton in den Meeren, ein großer Teil sammelt sich in fünf riesigen Wirbeln, der größte hat, zurückhaltend geschätzt, eine Fläche von 700.000 Quadratkilometern. Das ist so groß wie Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammen. Plus Großbritannien. Ein Mitarbeiter des Beratungs­unternehmens McKinsey, der eine Studie der Global Ocean Commission unterstützte, sagte Domen voraus, dass bei gleichbleibendem Plastikmüllaufkommen im Jahr 2025 in den Ozeanen auf jede dritte Tonne Fisch eine Tonne Plastik entfiele. Darunter leidet nicht nur die Umwelt und die Wasserqualität, auch die Gesundheit der Menschen und Tiere ist gefährdet. Tom Domen meint: „Der Plastikmüll in den Ozeanen ist das größte Problem, das wir momentan haben.“

Er begann Vorträge darüber zu halten und traf bei der UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung in Rio 2012 einen belgischen Kollegen, der gerade dabei war, die NGO „Waste Free Oceans“ aufzubauen. Die Idee: Fischer sammeln Plastik aus den Meeren ein. Schnell entwickelte sich in Domens Kopf der Gedanke, dieses Plastik wiederzuverwenden. Die Grundvoraussetzung: Als Anreiz für die Fischer muss das Plastik einen Wert bekommen. Bisher zahlten die Fischer für die Entsorgung von Müll, wenn sich etwas in ihren Netzen verfing und sie es mit in den Hafen brachten. Jetzt bekommen sie Geld dafür. Und die Recyclingfirma, mit der Ecover seit Jahren zusammen­arbeitet, erklärte sich bereit, zehn Prozent Ozeanplastik zu verarbeiten. „Mehr konnten die Fischer so schnell nicht aus dem Meer holen, mehr ist aber aus Qualitätsgründen auch nicht möglich“, sagt Domen. Das Problem: Das Plastik aus dem Meer ist unsortiert, oft farbig, mehrfach beschichtet oder bedruckt. Für die Wiederverwertung sind das Ausschlusskriterien. Um die Qualität der Flaschen zu gewährleisten, mischt Ecover das Meeresplastik unter den herkömmlichen Plastikmüll in der Recycling-Anlage. „Zehn Prozent sind nur ein kleiner Teil, aber wir müssen uns wohl damit zufriedengeben“, sagt Domen. „Wir wollen aber die Menge an produzierten ,Ocean Plastic Bottles‘ und somit die Menge an wiederverwendetem Ozeanplastik jedes Jahr um das Dreifache steigern.“

Nachdem Ecover die ersten „Ocean Plastic Bottles“ produziert hatte, riefen andere Unternehmen bei Domen an und wollten kooperieren. Domen registrierte: Das Plastik aus dem Ozean hat nicht nur einen Wert für die Fischer, es hat auch einen Marketingwert. Es nützt dem Ansehen von Ecover. Insgesamt ist die Herstellung der Flasche zwar teurer, da die Initiativen unterstützt und die Fischer bezahlt werden müssen, der hohe Marketingwert gleiche das aber wieder aus, so Domen.

TEXT Bastian Henrichs | FOTOS Christoph Busse