Helden, wie wir – Franka Eisenschenk

Klimakrise, Rohstoffkrise, Finanzkrise: Die Welt bewegt sich auf einen Kollaps zu. Da können eigentlich nur noch Superhelden helfen. Glücklicherweise gibt es sie wirklich: jene Menschen mit Ideen, Engagement und Überzeugung. Sie sind unter uns und zeigen, dass in jedem von uns etwas von einem Weltretter steckt.

Franka Eisenschenk hat den Richtungswechsel gerade hinter sich gebracht. Sie hat ihren gut bezahlten Job in der Werbebranche aufgegeben und gegen einen fahrenden Imbisswagen eingetauscht, einen grauen Kleintransporter, Citroën HY, Baujahr 1966. Für den Umbau hat sie zwei Monate gebraucht und die Hilfe einiger Freunde. Statt Bratwurst und Pommes reicht sie ihren Kunden vegetarische Focaccia, Möhren-Süßkartoffel-Suppe, Zucchini-Kuchen und veganes Bircher-Müsli. Sie wollte genau dieses Auto, „weil man für eine Botschaft immer das 

passende Medium braucht“. Ihre Botschaft ist einfach: „Ich möchte den Leuten bewusst machen, dass sie etwas pfleg­licher mit ihrer Ernährung umgehen sollten.“ Und: Dass es auch ohne Plastikverpackungen geht.

„Ich bin schon immer reflektiert mit meinem Konsum umgegangen“, sagt sie. „Das wurde immer intensiver, ich habe viel gelesen und recherchiert, bis ich an dem Punkt war, dass ich unbedingt was machen wollte.“ Vor fünf Jahren schrieb sie einen Businessplan für ein vegetarisches Café, entschied sich aber wegen der laufenden Mietkosten dagegen – und hatte schließlich die Idee für den „Kiezwagen Blank“, wie sie ihr französisches Kultauto nennt, das noch nach Blech klingt, wenn man mit dem Finger auf den Kotflügel klopft. Ab und an macht sie noch Marketingprojekte, aber dann nur solche, hinter denen sie auch selber steht.

Im November letzten Jahres startete sie den Kiezwagen. Die Sonne schien vom wolkenlosen Himmel, viele Freunde kamen, ihre Familie. „Ich war total aufgedreht, es fühlte sich einfach nur gut an“, erzählt sie. Seitdem bekommt sie viele Anfragen. Für den Frühling ist sie schon fast ausgebucht. Sie steht auf Märkten und Messegeländen oder fährt zum Mittagstisch bei großen Unternehmen vor.

An einem eisigen Januartag steht der Kiez­wagen vor einem ehemaligen Fabrikgebäude, in dem eine alternative Hochzeitsmesse stattfindet. Eisenschenk verteilt selbst gemachte Olivenpaste, Bergkäse und Ofengemüse auf Focaccia-Broten, zu ihren Füßen bläst ein Heizlüfter warme Luft in den schmalen, mit Spanplatten verkleideten Wagen, in dem die frühere Leichtathletin gerade aufrecht stehen kann. Das Angebot werde oft leergekauft, erzählt sie. Und wenn nicht, friert sie ein, was sich einfrieren lässt, oder lädt Freunde zum Reste-Essen ein.

Die Kunden mögen ihr Konzept, manchmal kommt sie ins Gespräch und klärt über ihre Produkte auf, erzählt, dass sie pingelig darauf achtet, so wenig Müll wie möglich zu produzieren. Salate reicht sie im Glas und das Besteck ist aus Holz oder Edelstahl. Die Suppenteller aus Palmenblättern verwendet sie mehrfach. Das Einzige, was an nicht biologischem Müll anfällt,
sind die Kronkorken von den Limonaden, die Verpackung des Kaffees und Teefilter aus Papier. Manche Stammkunden bringen ihre eigenen Tupperdosen mit und bekommen dafür jedes zehnte Essen umsonst. Der Mülleimer, den sie neben ihrem Wagen aufbaut, bleibt fast leer.

Abfallexperten sind sich einig: Der beste Müll ist derjenige, der erst gar nicht entsteht. Bei Franka Eisenschenk funktioniert das, weil sie die Entscheidung getroffen hat, möglichst wiederverwendbare Materialien zu nutzen. Ihre Kunden profitieren von ihrem Engagement, ohne selbst die Initiative ergreifen zu müssen. Was aber passiert in anderen Bereichen, in denen es nicht immer möglich ist, alles wiederzuverwenden, wo die Verantwortung für den Müll bei vielen liegt? Dann sind sinnvolle Lösungen gefragt, die den Müll der ordentlichen Wiederverwertung zuführen.

TEXT Bastian Henrichs | FOTOS Christoph Busse

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