Helden, wie wir – Elisa Garrote Gasch

Klimakrise, Rohstoffkrise, Finanzkrise: Die Welt bewegt sich auf einen Kollaps zu. Da können eigentlich nur noch Superhelden helfen. Glücklicherweise gibt es sie wirklich: jene Menschen mit Ideen, Engagement und Überzeugung. Sie sind unter uns und zeigen, dass in jedem von uns etwas von einem Weltretter steckt.

Den Dingen einen höheren Wert zu geben, darum geht es auch Elisa Garrote Gasch. Sie versucht, dem ausufernden Konsum der Menschen etwas entgegenzusetzen, Müll zu vermeiden und die für die Produktion von immer mehr Produkten verbrauchten Ressourcen zu sparen. Elisa Garrote Gasch hat dazu eine niederländische Idee aufgegriffen und 2013 das erste Repair-Café in Berlin eröffnet. Mittlerweile trägt die spanische Künstlerin, die seit 2004 in der Hauptstadt lebt, die Verantwortung für drei Repair-Cafés. Weltweit wurde die Idee bereits 700-mal kopiert.

An einem Abend im Repair-Café Soldiner Kiez im Berliner Wedding trägt eine junge Frau einen Staubsauger in den hell erleuchteten Raum und stellt ihn auf den Tisch. Unter der Anleitung eines ehren­amtlichen Helfers beginnt sie den Staubsauger zu öffnen, einfach mal schauen, wie es darin aussieht, er sauge nicht mehr stark genug, sagt sie, wahrscheinlich an irgendeiner Stelle verstopft. Gegenüber versucht ein langhaariger Student mit einer kleinen Taschenlampe und einem Schraubenzieher in den Händen einen Wasserkocher wieder zum Laufen zu bringen. Es ist erst das vierte Mal, dass Elisa Garrote Gasch hier zum Reparieren eingeladen hat, es müsse sich erst ein wenig rumsprechen, sagt sie. In ihrem Atelier in Kreuzberg, dort, wo sie begonnen hat, hat sie eine Anmeldeliste eingeführt, weil so viele Leute kommen wollen. Hier ist das noch nicht nötig. „Meistens bringen die Leute technische Geräte mit“, sagt Garrote Gasch, „Handys, Fernseher, Radios, Lampen, Toaster. Weil sie davor den größten Respekt haben.“

Die 37-Jährige repariert und bastelt selbst sehr gerne. Ihre Wohnung, erzählt sie, sei ein Sammelsurium von recycelten, selbst gebauten oder im Sperrmüll gefundenen Dingen. „Ich versuche, in allem, was ich tue, den Zyklus der Sachen zu verlängern“, sagt sie. Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte, die Müllvermeidung, das sind die Gedanken, von denen sich Garrote Gasch stets leiten lässt. „Bei den meisten Gästen ist dieses Bewusstsein bereits vorhanden“, sagt sie. „Ich versuche ihnen dann zu vermitteln, dass reparieren gar nicht so schwer ist und dass sie dadurch eine ganze Menge leisten.“ Andere kommen, weil sie einfach Spaß daran haben, Sachen zu reparieren, besonders in der Gemeinschaft. „Das Reparieren kann ein sehr kreativer Prozess sein.“

Bei der Arbeit kommen die Bastler ins Gespräch. Wie so oft unterhalten sie sich darüber, dass manche Dinge extra so konzi­piert werden, dass sie nur schwer zu reparieren sind. Geplante Obsoleszenz. Bei vielen Handys sei das ja der Fall, meint die junge Frau. Elisa Garrote Gasch erzählt, dass das Netzwerk die Vergabe eines Reparatur-Siegels plane, noch sei das in der Entwicklung, aber es gäbe schon interessierte Unternehmen, die das gerne als Qualitätssiegel nutzen würden, um zu zeigen, dass ihr Produkt einfach zu reparieren ist, dass es Ersatzteile gibt und bei Elektrogeräten einen Schaltplan.

Für den Staubsauger gibt es den nicht, ist aber auch nicht nötig. Der Techniker hat einen Korken durch den Schlauch rutschen lassen. Er kam nicht wieder heraus. Ein Besenstiel bringt schließlich ein dick verstaubtes Plastikteil zum Vorschein. Auch wenn die junge Frau dafür nicht unbedingt Hilfe benötigt hätte, so ist sie froh, hier gewesen zu sein. „Gemeinsam das Problem zu suchen, macht einfach mehr Spaß“, sagt sie. „Ich habe noch andere kaputte Geräte. Ich komme wieder.“

TEXT Bastian Henrichs | FOTOS Christoph Busse