Helden, wie wir – Carola Lemke

Klimakrise, Rohstoffkrise, Finanzkrise: Die Welt bewegt sich auf einen Kollaps zu. Da können eigentlich nur noch Superhelden helfen. Glücklicherweise gibt es sie wirklich: jene Menschen mit Ideen, Engagement und Überzeugung. Sie sind unter uns und zeigen, dass in jedem von uns etwas von einem Weltretter steckt.

Carola Lemke hat zwar noch keinen Preis bekommen, dafür aber eine gute Note. Im Rahmen ihres Zusatzstudiums an der Alice-Salomon-Hochschule musste sie eine Projektarbeit in ihrer Kita durchführen. Sie entschied sich dafür, die Mülltrennung einzuführen. „Ich war es leid, dass der gesamte Müll von 48 Kindern, sieben Erziehern und zwei Hauswirtschaftshilfen in einer 1.100 Liter fassenden Gewerbemülltonne landete, völlig unsortiert“, sagt die 43-Jährige. „Mir war das manchmal schon unangenehm vor den Eltern.“ Sie wollte sensibilisieren und ein Bewusstsein schaffen, bei den Kindern, den Kolleginnen, dem Kollegen und den Eltern.

Die BSR stellte neue Mülltonnen zur Verfügung, dazu Plakate und Piktogramme und Spiel- und Lehrmaterialien zum Thema Müll. Sie organisierte den Besuch eines Müllmanns und einen
Ausflug zum Recyclinghof. „Dort sind die Kinder von der Müllmenge beeindruckt“, sagt Carola Lemke. Das Projekt war ein voller Erfolg: „Bald bestanden die Kinder darauf, auch in der heimischen Küche den Müll zu trennen“, sagt Lemke. Die Kinder seien die treibende Kraft. „Sind sie erst einmal sensibilisiert, kontrollieren sie den Müll und sind höchst pingelig“, sagt die Pädagogin. So schneiden die Kleinen die Plastikfolien aus den Taschentuch-Boxen heraus, bevor sie im Müll landen, und fragen, in welche der vier Tonnen denn der von draußen mitgebrachte Sand komme. Was mit dem Sand passieren sollte, weiß Carola Lemke immer noch nicht genau, am besten wieder nach draußen, meint sie. Auch sie hat viel gelernt.

Aus der Seminararbeit, Note 1,7, ist ein fester Bestandteil des Kitaprogramms geworden. Darüber hinaus hält Carola Lemke Vorträge zum Thema Mülltrennung an Schulen und anderen Kitas. Neben dem pädagogischen Wert betont sie dann auch immer die zwei wichtigsten Nebenaspekte: Zum einen spart die „Buddelkiste“ durch die Mülltrennung rund 50 Prozent Kosten ein, da die Abholung von Plastik- und Papiermüll gratis ist und sich dadurch das kostenpflichtige Müllvolumen deutlich verringert hat. Zum anderen steigt das Ansehen der Kita bei den Eltern, der Imagegewinn ist hoch und die Kita kann durch die Mülltrennung und den damit verbundenen pädagogischen Wert die äußere Wahrnehmung der Einrichtung positiv beeinflussen.

TEXT Bastian Henrichs | FOTOS Christoph Busse