Fragen an Joey Santley

Der amerikanische Surf-Veteran hat das erste recycelte Surfbrett auf den Markt gebracht. Seine Green Foam Blanks bestehen hauptsächlich aus wiederverwertetem Polyurethan-Schaum und sollen der Surfgemeinde ökologisches Bewusstsein beibringen.

Wir dachten immer, Surfer wären richtige Naturburschen. Aber sie haben ein dunkles Geheimnis. 
Was ist ihr ökologisches Problem?
Die Surf-Community hält sich für sehr umweltbewusst, weil ihnen die Sauberkeit der Ozeane am Herzen liegt. Dabei ist das Giftigste am Surfen das Ding unter deinen Füßen. Wenn ein Surfbrett geschliffen wird, werden fast 40 Prozent des Rohlings zu Abfall. Der feine, weiße Staub, der beim „Shapen“ anfällt, ist giftig und verrottet nicht. Die Mengen, die davon mittlerweile schon die Müllhalden füllen, ist schwer vorstellbar.
Im professionellen Bereich halten die Bretter meist nicht länger als eine Saison, manchmal sogar nur vier Wochen.

Das hat Sie gestört. 
Was haben Sie unternommen?
Mit meinem Geschäftspartner Steve Cox habe ich ein Verfahren entwickelt, wie wir den anfallenden Polyurethan-Staub aus den Werkstätten wiederverwenden können. Wir verschmelzen ihn mit 35 Prozent Neumaterial und stellen
damit einen Rohling her. Wir wollen damit die Produktion von PU verringern, weil dabei eine hochgiftige und Krebs ­erregende Verbindung entsteht.

Wie hat die Surferszene auf die Boards reagiert? Sind sie hip genug?
Es war nicht einfach. Die Surfgemeinde ist sehr auf Style und Haptik fixiert. Aber wenn ein paar Alphatiere vorgehen, läuft der Rest hinterher. Deswegen habe ich die „Bro-to-Bro-Strategie“ angewendet – von Bruder zu Bruder. Zwei Tage bin ich nonstop herumgefahren und habe buchstäblich jedem Shaper, den ich kenne, unsere Blanks persönlich in die Hand gedrückt. Ich musste zuerst ihr Vertrauen gewinnen und beweisen, dass unsere recycelten Rohlinge die gleiche Qualität haben. In den ersten 90 Tagen nach Produktionsstart haben wir 1.200 Rohlinge verkauft. Das klingt viel, aber in den USA werden jedes Jahr 750.000 Surfboards verkauft. Wir hoffen, die Branche langfristig zum Umdenken zu bewegen.

Links zum Artikel:
www.greenfoamblog.com

Text und Foto Sebastian Pfütze

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