Getrennt befragt: Sollten Kunden für Einwegflaschen mehr bezahlen?

Die Mehrwegflasche ist bedroht: Zu Beginn des Jahres hat der Getränkehersteller Coca-Cola entschieden, sich teilweise aus dem Mehrwegsystem zurückzuziehen. Stattdessen werden immer mehr Getränke in Einwegverpackungen abgefüllt. TrenntMagazin hat zwei Experten gefragt:

Sollten Kunden für Einwegflaschen mehr bezahlen?

JA

Weniger als die Hälfte aller Getränke wird noch in Mehrweg abgefüllt. Dabei haben Mehrwegflaschen eine eindeutig bessere Ökobilanz als Einweg-Plastikflaschen und Dosen, weil sie bis zu 50 Mal wiederbefüllt und über geringere Strecken transportiert werden. Mehrweg vermeidet Abfälle, schont Ressourcen und schützt das Klima. Um ihren Profit zu maximieren, setzen Discounter wie Aldi und Lidl ausschließlich auf Einweg und haben durch Dumpingpreise von 19 Cent für 1,5 Liter Wasser die Mehrweg­quote massiv heruntergedrückt.

Discounter und große Handelskonzerne müssen zur Räson gebracht werden, damit die umweltfreundliche Mehrwegflasche – wie es gesetzlich festgelegt wurde – wieder die dominierende Verpackungsform für Getränke wird. Wir sind daher dafür, zusätzlich zum Pfand eine Abgabe von 20 Cent auf Einweg­verpackungen zu erheben, um Discounter und Konzerne an die gesamtgesellschaftliche Aufgabe des Klimaschutzes heranzuführen.

Jürgen Resch
ist Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e. V.

NEIN

Eine Lenkungsabgabe ist unverhältnismäßig und kein geeignetes Mittel. Auch das Bundesministerium für Umwelt sieht die Einführung einer Abgabe oder Steuer momentan nicht vor. Dagegen spricht sowohl die fehlende Akzeptanz in der Bevölkerung als auch die Schwierigkeit, eine über alle Getränkesegmente hinweg taugliche und der Marktentwicklung angepasste Abgabenhöhe zu bestimmen, die Lenkungswirkung entfaltet, ohne zugleich Erdrosselungseffekte zu haben.

Die Lenkungsabgabe könnte für den Verbraucher eine jährliche Mehrbelastung in Milliardenhöhe bedeuten. Einweggetränkeverpackungen sind durch etablierte Stoffkreisläufe zur Ressource geworden. Eine klare Kennzeichnung, neue Ökobilanzen, welche die aktuelle Situation widerspiegeln, und eine Weiterentwicklung der Kreis­läufe durch anspruchsvolle Recyclingziele wären für die Verbraucher sowie für die beteiligten Unternehmen die beste Lösung.

Wolfgang Burgard
ist Geschäftsführer des Bundes Getränkeverpackungen der Zukunft (BGVZ)

Illustrationen Peer Kriesel