Getrennt befragt: Sollen Modeketten ihre Altkleider wieder zurücknehmen?

Immer mehr Modehersteller bieten ihren Kunden an, abgetragene Kleidung zurückzunehmen und sie zu recyceln. Aber welchen ökologischen Nutzen hat das tatsächlich? TrenntMagazin will wissen:

JA

H&M möchte die Art und Weise verändern, wie Kleidung produziert, genutzt und entsorgt wird, und hat sich das Ziel gesetzt, den Textilkreislauf zu schließen. Deshalb haben wir Anfang 2013 als erstes Modeunternehmen eine langfristige Kleidersammlungs-Initiative ins Leben gerufen. Weltweit können in unseren Geschäften Altkleider aller Marken abge­geben werden. Vergangenes Jahr lancierte H&M die zweite Kollektion mit Produkten, die aus recycelten Textilfasern aus
im Store gesammelten Altkleidern hergestellt war.

Der Voucher, der bei der Abgabe ausgehändigt wird, ist als ein Dankeschön zu verstehen. Wir möchten eine einfache Lösung für jene Kunden bieten, die ihre Altkleider bisher im Hausmüll entsorgt haben, und streben damit keinen Gewinn an. Für jedes gesammelte Kilo gehen 2 Cent an die Organisation „Menschen für Menschen“. Das weitere Geld, das H&M mit der Initiative einnimmt, wird an die H&M Conscious Foundation gespendet und sowohl für Forschungsprojekte für einen geschlossenen Textilkreislauf als auch für soziale Projekte entlang der Wertschöpfungskette von H&M eingesetzt.

Anna-Kathrin Bünger
ist CSR Project Manager der H&M Hennes & Mauritz B.V. & Co. KG

NEIN

Prinzipiell begrüßen wir jede Initiative, die darauf abzielt, die Produktion und den Konsum von Bekleidung nachhaltiger zu gestalten. Einen echten ökologischen Zusatznutzen für die Umwelt leisten die Rücknahmesysteme der Modeketten aller­dings nicht. Denn in Deutschland existiert bereits ein etabliertes und flächendeckendes Netz von Kleidersammlungen.

Darüber hinaus geben die Rücknahmesysteme vor, den Müllberg verkleinern zu wollen, animieren aber durch Rabattaktionen zum Kauf weiterer Kleidung. Das ist ein Widerspruch in sich. Letztlich wird so der Absatz der eigenen Neutextilien angekurbelt. Damit ist die Sammlung der Modeketten aus unserer Sicht eher ein Marketinginstrument, um Kunden in die Läden zu locken und an sich zu binden. Was zunächst nach Umweltengagement aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als eine Werbeaktion zur Umsatzsteigerung und Imagepflege. Wir empfehlen daher gemeinnützige Kleidersammlungen für soziale Zwecke. Ökologisch sinnvoller ist es allemal, bereits beim Kauf auf Qualität zu achten, damit die Stücke möglichst lang tragbar bleiben. Auch Secondhand-Shops können eine spannende und individuelle Alternative sein.

Thomas Ahlmann
ist verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Dachverband FairWertung e.V.

Illustrationen Peer Kriesel