Getrennt befragt: Ist eine Strafgebühr für Essensreste Sinnvoll?

Über 18 Millionen Tonnen Lebensmittel landen laut einer Studie des WWF in Deutschland pro Jahr im Müll. Um ihre Kunden zu sensibilisieren, verlangen einige Gastronomen mittlerweile einen Betrag für Reste, die auf dem Teller liegen bleiben. TrenntMagazin hat zwei Experten gefragt:

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JA

Als Gastronom habe ich eine Verantwortung, der Umwelt und meinen Kunden gegenüber. In Anbetracht zukünftiger Rohstoffknappheiten müssen wir mit unseren Ressourcen haushalten. Nur so können wir auch in Zukunft über ein reichhaltiges Angebot an Nahrungsmitteln verfügen.

In meinen Restaurants gibt es ein „All you can eat“-Angebot. Die Gerichte werden über ein iPad an den Tisch geordert. Wenn Reste auf dem Teller bleiben, berechne ich einen Euro. Damit gebe ich den Gästen die Freiheit, selbst zu entscheiden, wie viel sie essen wollen, und setze gleichzeitig ein Zeichen gegen die Verschwendung. Und die Botschaft kommt gut an. Meine Gäste berichten, dass sie durch das Konzept mehr auf ihren eigenen Umgang mit Lebensmitteln achten. Ich bin sicher, dass sich die geringe Strafgebühr nachhaltig auf unser Bewusstsein auswirken wird. Im Übrigen wird die Strafgebühr vollständig an die SOS-Kinderdörfer gespendet.

Guoyu Luan
Gastronom des „Yuoki“, Stuttgart 

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NEIN

Das Problem wird hier nicht an der Wurzel gepackt, denn das Essen, das zu viel auf den Teller geladen wurde, wird ja dennoch entsorgt. Es wird versucht, die Gäste mit erhobenem Zeigefinger zu erziehen. Dabei kommen die Leute ja in ein Restaurant, um dort eine schöne Zeit zu haben. Hier soll lediglich ein reines Gewissen verkauft werden. Allerdings bietet diese Regelung weder eine Lösung dafür, Verschwendung zu reduzieren, noch für mehr Wertschätzung von Lebensmitteln.

Sinnvoller ist es, überschüssige Lebensmittel, die im Handel aussortiert wurden, aber noch einwandfrei sind, zu verwerten. Wir kochen daraus äußerst originelle und leckere Gerichte und regen die Gäste dadurch, sowie im Gespräch, zum Nachdenken an – auch über ihr eigenes Verhalten zu Hause. Wir ermutigen sie, selbst kreativ mit vorhandenen Lebensmitteln zu sein und weniger wegzuwerfen. Also betonen wir lieber die positiven Aspekte, die zeigen, wie jeder selbst aktiv werden kann.

Julia Rißel
Vorstand RESTLOS GLÜCKLICH e.V., Berlin