Getrennt befragt: Der Abfallexperte der BSR gibt Antworten

Es gibt zahlreiche Diskussionen und Gerüchte über den Sinn bzw. Unsinn des Abfalltrennens. Das TrenntMagazin hat Kommentare bei Facebook durchgesehen und den Abfallexperten der BSR, Dr. Kersten Erdelbrock, dazu befragt.

1) Werden getrennte Abfälle nach der Abholung wieder zusammengeschmissen?

Karin Groene: Es gibt keinen Grund, sich mit Mülltrennung zu brüsten. So werden die Menschen eingelullt. Der ganze Müll kommt doch eh auf einen Haufen. Der Umweltschaden, den die Abfuhr macht, sollte mal dagegengestellt werden. Besser wäre es, viel Müll zu vermeiden.

Dr. Kersten Erdelbrock: Dass der getrennt gesammelte Müll, wie oft behauptet, „eh wieder auf einen Haufen“ geworfen wird, ist eindeutig falsch. Richtig ist, dass Abfalltrennung die Voraussetzung für Recycling ist. Unsere Produktion – egal, ob es um Glas, Metall, Papier oder Kunststoffe geht – ist inzwischen auf Sekundärrohstoffe eingestellt und angewiesen. Ökobilanzen beweisen immer wieder, dass Recycling Sinn macht.

2) Erhöhen sich die Entsorgungskosten durch Abfalltrennung?

Detlef Graetz: Ist doch alles nur Augenwischerei, das, was wir trennen, wird an anderer Stelle wieder zusammengekippt, dabei geht’s wieder mal nur um Kohle, die sie uns aus der Tasche ziehen, genau wie mit ihrer neuen orangen Tonne. Bringt nichts außer noch mehr Nebenkosten…

Dr. Kersten Erdelbrock: Das Gegenteil ist der Fall: Wer trennt, der spart. Die Wertstofftonne wird beispielsweise gratis aufgestellt. Gleiches gilt für die Glastonnen. Auch die Kosten für Biogut- und Papiertonne sind weitaus geringer als für Hausmüll.

3) Ist es möglich, auf Mülltrennung zu verzichten, weil moderne Anlagen das übernehmen können?

Alexander Sell: Trennen durch den Verbraucher ist aufgrund der in den Sortieranlagen verfügbaren Technologien eigentlich schon seit Jahren überflüssig. Das wird nur nicht an die große Glocke gehängt, da man die Verbraucher ja so gut erzogen hat und sie nicht damit vor den Kopf stoßen möchte.

Dr. Kersten Erdelbrock: Sortieranlagen sind in den letzten Jahren zweifellos erheblich leistungsfähiger geworden. Darum können ja auch beispielsweise in der Gelben Tonne verschiedenartige Verpackungen gemeinsam erfasst werden. Was aber leider auch mit größtem technischen Aufwand nicht möglich ist, ist die Trennung und das Recycling von Hausmüll. Das liegt vor allem an nassen Abfällen wie etwa Obst-, Gemüse- und Essensreste oder auch an benutzten Windeln. Will man also Papier, Glas, Kunststoffe oder Metalle im Stoffkreislauf erhalten, so ist eine Trennung im Haushalt zwingend notwendig.