Getrennt befragt: Brauchen wir ein Mindesthaltbarkeitsdatum?

Ein prüfender Blick auf das eingestanzte Datum, das hinter dem Satz „Mindestens haltbar bis“ steht. Dann mit dem heutigen Tag vergleichen. Und schon landet ein Lebensmittel im Mülleimer. Das Mindesthaltbarkeitsdatum verleitet viele Verkäufer dazu, noch essbare Waren wegzuschmeißen, und ist deswegen immer häufiger in der Kritik. Die EU will es für bestimmte Lebensmittel sogar ganz abschaffen. TrenntMagazin hat zwei Experten gefragt:

Brauchen wir ein Mindesthaltbarkeitsdatum?

Christian Fronczak ist stellvertretender Pressesprecher am Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL):

JEIN

Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Wegwerfdatum, sondern eine für Verbraucher sinnvolle Gütegarantie. Bis zu diesem Datum behalten Lebensmittel – bei angemessener Aufbewahrung – ihre spezifischen Eigenschaften wie z.B. Konsistenz und Geschmack. Das darf aber nicht zu einer Verschwendung führen. Derzeit prüfen die EU-Mitgliedsstaaten, ob weitere Produkte wie Teigwaren, Kaffee oder Mehl von einer verpflichtenden Angabe des Mindesthaltbarkeitsdatums ausgenommen werden können, ohne dabei die Verbraucherschutzstandards zu senken.

Grundsätzlich sollten Verbraucherinnen und Verbraucher nicht nur einem aufgedruckten Datum, sondern ihren Sinnen vertrauen. Unsere Initiative „Zu gut für die Tonne!“ zeigt, dass bei richtiger Lagerung viele Produkte auch weit nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums genießbar sind. Anschauen, riechen und schmecken kann viele Lebensmittel vor der Tonne retten und spart Geld.

Wam Kat ist Autor des Buches „24 Rezepte zur kulinarischen Weltverbesserung“ und betreibt die mobile Aktionsküche Fläming Kitchen:

NEIN

Die Regelungen der EU, auf Lebensmittel ein Haltbarkeits­datum aufzudrucken, sind 30 Jahre alt. Damals ist man wohl, ähnlich wie bei der sogenannten „Krumme-Gurken-Verordnung“, ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen. Statt ungenießbare Lebensmittel vom Handel auszuschließen, werden Millionen Tonnen verpackte, noch genießbare Lebensmittel weggeschmissen. Aber es sollte nicht nur bei der von verschiedenen EU-Ländern vorgeschlagenen Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums auf Kaffee, Nudeln und Reis bleiben.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum könnte ohne weiteres total abgeschafft werden. Denn in den hauptsächlich sogar vakuum-verpackten Lebensmitteln können sich gar keine Bakterien vermehren. Außerdem verfügt jeder Mensch über ein eigenes Testlabor – durch Farbe, Geruch und Geschmack wird schnell genug deutlich, ob etwas noch essbar ist.

Illustrationen Peer Kriesel 

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