Faires Fernweh

TEXT Carmen Vallero | ILLUSTRATION Cristina Keuter

Wer im Sommer in den Urlaub fährt, sucht unberührte Natur, frische Luft, saubere Meere. Aber genau das bedroht der Tourismus. Lässt sich das verhindern?

Ankommen und rumkommen

Schnell, bequem und oft auch billig geht es per Flugzeug zum Urlaubsort. Das Klima
leidet jedoch sehr darunter. Der Hin- und Rückflug nach Mallorca beispielsweise verursacht 925 kg CO₂. Das ist so viel wie ein Jahr Auto fahren. Die Umweltbelastung
des Fluges kann über Organisationen wie atmosfair oder myclimate kompensiert werden. Der Mietwagen vor Ort sorgt für weitere Emissionen, vor allem, wenn
das Auto nicht voll besetzt ist. Daher ist ein Urlaubsziel im Sommer, wenn auch bei uns das Wetter gut ist, eher in der Nähe
zu suchen.

Wenn die Wahl auf Deutschland oder die Alpen fällt, braucht man auch gar nicht so viel selbst zu fahren. Mit Bus und Bahn können Fahrräder mitgenommen werden und viele Regionen haben sich auf den Individualtourismus eingestellt. Sie bieten gute Verbindungen auch in entlegene Ecken. In Bayern oder Baden-Württemberg sind bei etlichen Unterkünften Karten für
den Nahverkehr inklusive.

Wer nicht auf die eigenen vier Räder verzichten möchte, kann über einen Campingurlaub nachdenken. Das geeignete Auto lässt sich dabei auch von Privatleuten mieten. Anbieter wie PaulCamper oder SHAREaCAMPER vermitteln den ausgebauten Bulli oder ein modernes Wohnmobil.

Für die Übernachtung gibt es viele ausgezeichnete Öko-Campingplätze. Ein Verzeichnis findet sich auf www.ecocamping.net. Eine Nacht umsonst schläft man auf der Wiese von Bauernhöfen, die mit der Plakette von Landvergnügen angesteuert werden können – der Blick in den Kuhstall oder die Schnapsbrennerei ist inklusive. Ähnliche Angebote gibt es auch in Frankreich, England, Irland, Italien, Spanien und der Schweiz, Einzelheiten dazu unter www.fefi.eu.

Schlafen und schlemmen

Natürlich haben auch viele Gasthäuser grüne Labels. So werden ökologisch arbeitende Unterkünfte, die strenge Auflagen erfüllen, als Biohotels ausgezeichnet. Um das begehrte Siegel zu erhalten, müssen 80 Prozent aller angebotenen Speisen und Getränke aus kontrolliert biologischer Erzeugung stammen, umweltverträgliche Materialien bei der Ausstattung verwendet werden sowie Energiesparmaßnahmen und bewusste Mülltrennung vorliegen. Auf www.biohotels.de gibt es eine Liste der Häuser.

Pauschal und problemlos

Wer sich nicht selbst durch das Angebot wühlen möchte, muss auf gute Bedingungen nicht verzichten. Viele kleine Individual-Veranstalter organisieren nachhaltige Pauschalreisen und arbeiten gezielt mit Partnern zusammen, die sich für die Umwelt engagieren. Einen Überblick bietet der Verband „forum anders reisen“. Hier sind 130 Anbieter organisiert, die einen Tourismus anstreben, der langfristig ökologisch tragbar, wirtschaftlich rentabel und ethisch wie auch sozial gerecht ist. Und mit diesen geht es nicht nur ins österreichische Baumhaus, sondern auch nach Ghana oder per Bus ins französische Familiencamp mit Surfkurs und regionaler Küche.

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Urlaub kann natürlich auch an der eigenen Haustür beginnen: Wer sich von dort mit dem Fahrrad aufmacht, verbringt den verträglichsten Urlaub. Sechs Radfernwege kreuzen Berlin und ob unterwegs nach Usedom, Kopenhagen oder Leipzig – zu entdecken gibt es auch hier etwas.

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