Es ist genug

30.000 Plastiktüten gehen pro Stunde in Berlin über die Ladentheke. Wie lang wäre das, wenn man sie alle aneinanderknotet? Ein Weltrekordversuch auf dem Umweltfest – Berlin tüt was!

Ob das Wetter hält? Genügend Helfer da sind? Etwas Unruhe entsteht, als sich dunkle Wolken über das Flugfeld schieben. Doch pünktlich um vier stehen über 1.000 Berlinerinnen und Berliner in der Sonne und ziehen die Tütenschlange aus den aufgereihten Tonnen. Es ist eine logistische Herausforderung, so viele Menschen zum gleichzeitigen Hochhalten der Kette zu bewegen. Dann klingt von Reihe zu Reihe ein BEREIT, alle Hände gehen in die Höhe, neun Kilometer Tüten flattern im Wind.

Die Rekordrichterin Eva Norray von der Organisation Guinness World Records bestätigt: Der Weltrekord der längsten Plastiktütenschlange der Welt ist geglückt. Und „officially amazing“. Die aus England angereiste Vertreterin von Guinness World Records schreitet mit strenger Miene am ehemaligen Rollfeld entlang. Geschafft! Auf der Bühne bestätigt sie offiziell den neuen Rekord, Organisatoren, Helfer und Besucher jubeln. Damit hat Berlin den am Timmendorfer Strand aufgestellten Rekord von 4,3 Kilometern Tütenkette weit überholt. Eine solche Leistung schafft viel Aufmerksamkeit. Genau darum geht es der Stiftung Naturschutz Berlin mit ihren Partnern Deutsche Umwelthilfe und Berliner Stadtreinigung (BSR). Sie hatten unter dem Motto „Berlin tüt was!“ zu der Aktion aufgerufen. Damit möchten sie ein Zeichen setzen gegen den enormen Verbrauch von Plastiktüten. Im Vorfeld wurden dazu Sammelstellen eingerichtet, hier konnten Tüten gegen Recyclingtaschen getauscht werden. Auch Schulklassen sammelten eifrig. Aus trockenen Zahlen wurde hier eine spürbare Erfahrung: 30.000 Tüten, die in Berlin stündlich herausgegeben werden, sind erschreckend viele. „Es hat echt viel Spaß gemacht, aber als ich so viel Plastik auf einmal gesehen habe, wurde mir wirklich klar, wie viel wir täglich vergeuden. Ab heute werde ich noch mehr darauf achten, keine Tüten mehr zu nutzen. Alternativen gibt es schließlich genug“, erzählt eine Helferin.

TEXT Carmen Vallero