Ich war einmal… ein weißes Hochzeitskleid

… ein weißes Hochzeitskleid aus dem Jahr 1945. Der Zweite Weltkrieg war gerade vorbei und der Schwarzmarkt am Brandenburger Tor blühte. Eine junge Frau tauschte mich gegen ein Familienerbstück, das ihr Großvater über die Kriegswirren gerettet hatte. Leider musste ich erst zwei Jahre im Schrank warten, weil der Zukünftige in russische Kriegsgefangenschaft geraten war. Nur manchmal holte mich die Frau heraus und drückte mich wehmütig an sich. Als ich dann endlich meinen großen Tag erleben durfte, war ich überglücklich. Alle bewunderten mich. Danach verschwand ich für viele Jahre, eingemottet in einem Kleidersack. Dort entdeckte mich die Enkelin und gab mir als Partykleid, kombiniert mit Nietengürtel und Sneakers, eine zweite Chance. Später landete ich trotzdem ziemlich abgerumpelt auf dem Flohmarkt. Dort hat mich Elisabeth Prantner dann erstanden und in ihrem „Veränderungs­atelier“ in den Hackeschen Höfen wachgeküsst. Sie haucht fehleingekauften, ungeliebten, alten, abgetragenen oder kaputten Kleidungs­stücken neues Leben ein. Jeder kann in ihre Schneiderei kommen, seine Klamotten reparieren und aufpeppen lassen. Das gefällt mir.

www.lisad.com/bisesmirvomleibefaellt

Schlagworte des Artikels
, , ,