Ein Schluck Kulturgut

Wenn wir den Kaffee in Pappbechern gereicht bekommen, mit Servietten die Finger vor Verbrennungen schützen, ihn durch ein winziges Loch im Plastikdeckel nuckeln, dabei hasten, stürzen, taumeln – dann ist das wohl die moderne Variante der Kaffeekultur. Allerdings hinterlässt diese gewaltige Probleme: 320.000 Einwegbecher landen stündlich in Deutschland im Müll. Wie können wir diesen Pappbecherberg verhindern? Wir stellen ein paar Ansätze vor.

FOTOS Susanne Wehr

Dieser aufgetürmte Becherberg irritierte: 30.000 Pappbecher stapelten sich in der Mensa der Freien Universität (FU) Berlin. Es ist die Menge, die sich hier in nur 45 Tagen ansammelt. Die Koordinatorin der Initiative SUSTAIN IT! Karola Braun-Wanke vom Forschungszentrum für Umweltpolitik (FFU) wollte das zusammen mit drei Berliner Künstlerinnen sichtbar machen. Mit dem Kunstlabor „ART TO STAY – Einmal wieder Genießer*in sein“ erinnerte die Initiative daran, dass Kaffeegenuss mehr als To-go-Konsum ist. Studenten konnten sich mit einer besonderen Tasse aus einem temporär installierten Tassenmuseum in Szene setzen lassen und dann das Foto to go mitnehmen anstatt eines Pappbechers. Aber half die sympathische Aktion auch, die Becher-Flut einzudämmen?

Sie haben während der Aktion mit den Studenten über ihren Kaffee-Konsum gesprochen. Warum nutzen so viele den To-go-Becher, selbst wenn er einen Aufpreis kostet?

Viele Studenten wissen sehr gut, dass so ein Pappbecher Müll produziert und die Umwelt belastet. Aber sie nutzen diese, weil das einfach zum modernen Lebensgefühl gehört, aus Gewohnheit und weil es schnell geht. Mit unserer Aktion wollten wir nicht nur auf das Thema Ressource, sondern auch auf das Thema Entschleunigung hinweisen. Denn Kaffeetrinken ist ja Genuss und sollte nicht nur schnell im Gehen erledigt werden.

Sie haben viel Aufmerksamkeit erreicht. Hat sich seitdem etwas geändert?

Mit unserem Kunstlabor wollten wir auf positive Weise ein Nachdenken über das To-go-Konsum­verhalten ermöglichen, ohne den Leuten ein schlechtes Gewissen zu vermitteln. Dies ist uns gelungen, indem wir den Dialog gesucht haben und die Leute aktiv einbezogen haben. Natürlich nutzt noch
nicht jeder den Campus-Mehrwegbecher. Aber auf jeden Fall konnten wir Studierende und viele zufällig Vorbeikommende auf sympathische Weise für das Thema sensibilisieren. Wir bekommen
nun auch viele Anfragen aus ganz Deutschland von Unternehmen und Veranstaltern, die ähnliche Aktionen mit uns umsetzen wollen und den Becherberg bei sich installieren wollen. Das Thema gewinnt zunehmend an Bedeutung!

Der Berg mit 30.000 Pappbechern entsprach dem Verbrauch in nur 45 Tagen
am Standort der Kaffeebar und einer Mensa. Woher haben Sie den Müll bekommen?

Die verwendeten Becher waren ausschließlich überproduzierte und fehlerhaft bedruckte Ware, die
als unverkäufliche Restbestände von einem Hersteller für unsere Aktion zur Verfügung gestellt wurden. Ansonsten wäre unsere Aktion ja unglaubwürdig, hätten wir dafür neue Becher genutzt.
Es wäre übrigens teurer gewesen, diese zu entsorgen, als sie uns für die Kunstaktion zu überlassen.

 

QUELLE TNS Emnid: „Coffee to go – Ergebnisbericht“, Juni 2015

Die schockierenden Zahlen haben die ersten Kaffeeliebhaber wach­­gerüttelt. Die Berlinerin Ulrike Gottschau bewegte die Coffee-to-go-Becherverschwendung zu einer besonderen Idee: Gemeinsam mit Clemens Pech entwickelte sie einen Mehr­wegbecher aus Bambus, Mais und Kunstharz. Und startete die Initiative „Just swap it“, bei der Cafés in Kreuzberg und Neukölln ein Pfandsystem für Kaffeebecher testeten.

FOTO www.fotolia.com (ilyarexi)

Mittlerweile sprudeln Mehrwegbecher-Initiativen aus dem Boden wie Kaffeegetränke aus Maschinen: Kaffeehaus- und Fast-Food-Ketten bieten Mehrweg­becher zum Kauf an. Unternehmen und Institutionen schließen sich in Berlin unter dem Motto „Better World Cup“ zu einer Bewegung für die Nutzung von Mehrweg­bechern zusammen. Sogar der Berliner Senat hat sich im Koalitionsvertrag dazu verpflichtet, ein Konzept für ein Berliner Mehrwegbecher-System zu entwickeln.

Auch außerhalb von Berlin starten Pilotprojekte. Die Stadt Freiburg hat als erste deutsche Großstadt einen einheitlichen Pfandbecher für 1 Euro rausgegeben, in Hamburg geben einige Cafés für einen Aufpreis von 1,50 Euro Mehrwegbecher an die Kunden ab und sogar eine Tankstellenkette in Nordrhein-Westfalen schenkt ihren Kaffee im „Besserbecher“ aus, der in den vier Filialen jederzeit wieder gegen einen sauberen eingetauscht werden kann.

Offenbar passiert mit dem Pappbecher gerade, was mit der Plastiktüte bereits passiert ist: Er wird aus dem öffentlichen Leben allmählich verbannt und durch neue, nachhaltige Behältnisse ersetzt.


Macht die Welt ein bisschen Becher

Eine Stadt, die niemals schläft, braucht wache Argumente gegen Getränke aus Einweg­bechern: Der Better World Cup hilft, viele Millionen Wegwerfbecher sowie mehrere Tonnen CO₂ jährlich zu reduzieren. Mit diesem Becher kann jeder Schritt für Schritt den eigenen ökologischen Fußabdruck verringern und Berlin ganz bewusst sauber halten.

So entsteht eine gute Bewegung – für ein schönes Berlin und eine saubere Umwelt!

  • Aus hochwertigem Edelstahl
  • Langlebig
  • Ressourcenschonend
  • Weniger Abfall
  • Weniger schädliches CO₂
  • Recycelbar

Mehr Infos gibt es hier:
www.betterworldcup.berlin