Ein Himmelreich für ein Marmeladen­glas

Im Berliner Gemeinschaftsgarten Himmel­beet wird möglichst wenig Abfall erzeugt.

Zwischen Hochbeeten, Bienenstöcken und Palettenmöbeln findet die Sehnsucht einen Ort. Im Himmelbeet, einem interkulturellen Gemeinschaftsgarten in Berlin-Wedding, können Anwohner und Schulklassen seit vier Jahren ihre eigenen Karotten und Radieschen aufziehen, Führungen und Kurse zum urbanen Gärtnern besuchen und inmitten des vielen Grüns miteinander Zeit verbringen. Im vergangenen Jahr eröffnete das Himmelbeet-Café. Dort werden die selbst gezüchteten Kräuter, Früchte und Gemüsesorten zu kreativen Gerichten und Getränken verarbeitet.

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Das Café zeigt nicht nur, wie lecker Obst und Gemüse der Saison ist, es verfolgt auch ein verpackungsarmes Konzept. „Low Waste Café“ nennen die Initiatoren Meike Stark und Felix Lodes ihre Idee, denn sie sind überzeugt, dass Gastronomie auch ohne viel Müll und Einwegverpackungen auskommen kann. Dazu haben sie viele Alternativen gefunden, mit denen trotzdem wirtschaftlich gearbeitet werden kann. Zum Beispiel wurde mit Lieferanten ein Rücknahme- oder Pfandsystem vereinbart. Wein kaufen sie in Schläuchen und Reinigungsmittel als Konzentrat im Großgebinde. Auch auf dem Tisch wurde vieles charmant verändert – Speisen zum Mitnehmen in Marmeladengläsern, Naturstrohhalme für die Gartenlimonade oder Teelichter in Mehrweghaltern statt in Aluminiumhüllen.

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Ihre vielfältigen Erfahrungen möchten sie weitergeben. Mit der finanziellen Unterstützung des Förder­­fonds Trenntstadt Berlin entstand eine Open-Air-Ausstellung. Gleichzeitig wurde ein Leitfaden für Café­-Betreiber erstellt: Neben Hinter­gründen und Zahlen berichten sie von ihren Erleb­nissen mit der Umstellung und den Reaktionen der Gäste. Sie stellen Ideen aus dem Café vor, verraten bewährte Kooperationspartner und weitere Adressen, um eigene Vorhaben voranzubringen. Auch eine Anleitung der „fünf konsequenten Schritte zum ver­packungs­armen Café“ gehört dazu. Den Leitfaden für ein verpackungsarmes Café kann man sich auf der Internetseite herunterladen. Wie gut das funktioniert, davon kann man sich auch in diesem Sommer im Himmelbeet in der Ruheplatzstraße überzeugen – ein Ort, der nicht nur im Namen etwas Sehnsuchtsvolles trägt.

www.himmelbeet.de

Fotos  © himmelbeet gGmbH

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